Welche Mundspülung bei Zahnfleischentzündung hilft und was sie wirklich leisten kann, ist für viele Betroffene unklar. Dieser Beitrag erklärt, welche Wirkstoffe sinnvoll sind, welche Produkte eher nicht geeignet sind und wann ein Zahnarztbesuch unumgänglich wird.
Gerötetes, geschwollenes oder blutendes Zahnfleisch gehört zu den häufigsten Beschwerden im Mundbereich. In Deutschland zeigen laut Daten der Deutschen Mundgesundheitsstudie mehr als 80 Prozent der Bevölkerung Zeichen einer Zahnfleischentzündung, medizinisch als Gingivitis bezeichnet. Viele Betroffene greifen dann zuerst zur Mundspülung aus der Drogerie oder Apotheke. Das ist in bestimmten Situationen sinnvoll, aber längst nicht jede Spülung erfüllt die Erwartungen.
Der Markt bietet eine unübersichtliche Auswahl: kosmetische Produkte, die hauptsächlich den Atem erfrischen, pflegende Spülungen für den täglichen Einsatz und medizinische Präparate mit klinisch geprüften Wirkstoffen. Wer diese Kategorien nicht kennt, kauft womöglich ein Produkt, das an seiner Entzündung schlicht nichts ändert. Entscheidend ist daher nicht das Marketing auf der Flasche, sondern der Blick auf die Inhaltsstoffe und den konkreten Anwendungszweck.
Was eine Zahnfleischentzündung auslöst und warum die Ursache entscheidend ist
Bevor eine Mundspülung sinnvoll eingesetzt werden kann, muss die Ursache der Entzündung verstanden werden. Eine Gingivitis entsteht in den meisten Fällen durch bakteriellen Zahnbelag, der sich am Zahnfleischrand absetzt. Dieser sogenannte Plaque besteht aus einem dichten Biofilm mit Millionen von Bakterien, die das umliegende Gewebe reizen und entzündliche Reaktionen auslösen.
Neben mangelhafter Mundhygiene begünstigen weitere Faktoren die Entstehung einer Zahnfleischentzündung: Rauchen, ein geschwächtes Immunsystem, hormonelle Veränderungen etwa in der Schwangerschaft, schlecht sitzender Zahnersatz oder bestimmte Medikamente wie Immunsuppressiva und Kalziumantagonisten. Wer die auslösende Ursache nicht beseitigt, wird mit einer Mundspülung allein keine dauerhafte Verbesserung erzielen. Die Spülung kann die Bakterienzahl vorübergehend senken und Symptome lindern, sie ersetzt aber keine mechanische Reinigung und keine zahnärztliche Behandlung der Ursache.
Wie erkennt man, ob eine Zahnfleischentzündung vorliegt?
Typische Anzeichen einer Gingivitis sind Rötung und Schwellung des Zahnfleisches, Blutungen beim Zähneputzen oder Zahnseide verwenden sowie gelegentlicher Mundgeruch. Das Zahnfleisch kann sich empfindlich oder druckschmerzhaft anfühlen. In frühen Stadien verläuft die Entzündung jedoch häufig ohne Schmerzen, was dazu führt, dass sie lange unbemerkt bleibt. Schreitet sie unbehandelt fort, kann sich aus einer einfachen Gingivitis eine Parodontitis entwickeln, also eine tiefgreifende Entzündung des gesamten Zahnhalteapparats mit dem Risiko von Knochenschwund und Zahnverlust.
Kosmetische Mundspülungen versus medizinische Präparate
Grundsätzlich unterscheidet man zwei Kategorien von Mundspülungen: kosmetische und medizinisch-therapeutische Produkte. Diese Unterscheidung ist bei Zahnfleischentzündungen besonders wichtig, weil beide Kategorien häufig ähnlich verpackt werden und im selben Regal stehen.
Kosmetische Mundspülungen erfrischen den Atem, hinterlassen ein angenehmes Frischegefühl und können die allgemeine Mundhygiene leicht unterstützen. Sie sind jedoch nicht dafür konzipiert, eine bestehende Zahnfleischentzündung zu behandeln. Ihr Beitrag bei gereiztem Zahnfleisch ist daher begrenzt. Wer an einer Gingivitis leidet, benötigt ein Produkt, das gezielt gegen Bakterien wirkt und entzündungshemmende Eigenschaften mitbringt.
Medizinische Mundspülungen enthalten klinisch geprüfte Wirkstoffe in therapeutisch wirksamen Konzentrationen. Sie sind entweder rezeptfrei in der Apotheke erhältlich oder werden vom Zahnarzt verordnet. Der Unterschied zur Kosmetikabteilung liegt nicht in der Optik, sondern in der Wirkstoffzusammensetzung und der behördlichen Zulassung als Arzneimittel.
Welche Mundspülungen sind bei Zahnfleischentzündung geeignet?
Für Betroffene mit einer aktiven Zahnfleischentzündung kommen vor allem Produkte mit folgenden Wirkstoffklassen in Betracht: antiseptische Verbindungen wie Chlorhexidin, antibakteriell wirkende Fluoridverbindungen wie Zinnfluorid und Aminfluorid sowie pflanzliche Antiseptika. Jede dieser Gruppen hat spezifische Einsatzbereiche, Vor- und Nachteile.
Chlorhexidin: Der Goldstandard bei akuten Entzündungen
Chlorhexidin, abgekürzt CHX, gilt in der Zahnmedizin als wirksamster antibakterieller Wirkstoff für die Mundhöhle. Eine systematische Übersichtsarbeit der Cochrane Collaboration, die 51 Studien mit mehr als 5.000 Teilnehmern auswertete, belegt hochqualitativ, dass Chlorhexidin-Mundspülungen in Konzentrationen von 0,1 bis 0,2 Prozent Zahnfleischentzündungen und Plaque wirksam reduzieren. Der Wirkstoff tötet Bakterien ab, hemmt ihre Vermehrung und haftet dank seiner sogenannten Substantivität über Stunden an Zahnfleisch, Zahnschmelz und Schleimhaut. Diese Depotwirkung sorgt für anhaltenden Schutz auch nach dem Ausspucken der Spüllösung.
Chlorhexidin wird bei akuten Zahnfleischentzündungen, nach parodontologischen Behandlungen oder nach zahnchirurgischen Eingriffen eingesetzt. Die typische Anwendungsdauer beträgt wenige Tage bis maximal zehn Wochen. Bei längerer Anwendung kann es zu braunen Ablagerungen an Zähnen, Zunge und Schleimhäuten kommen, da der Wirkstoff Farbstoffmoleküle aus Kaffee, Tee oder Rotwein bindet. Diese Verfärbungen sind reversibel und lassen sich durch eine professionelle Zahnreinigung vollständig entfernen. Weitere mögliche Nebenwirkungen umfassen vorübergehende Geschmacksveränderungen, gelegentliche Reizungen der Mundschleimhaut und in seltenen Fällen allergische Reaktionen.
Wie sollte Chlorhexidin richtig angewendet werden?
Wichtig ist ein zeitlicher Abstand von mindestens zwei Stunden zwischen dem Zähneputzen und der Anwendung der Chlorhexidin-Spülung. Der Grund: Bestimmte Tenside in handelsüblichen Zahnpasten, insbesondere Natriumlaurylsulfat, können die Wirksamkeit von Chlorhexidin beeinträchtigen. Nach dem Spülen sollte für mindestens 30 Minuten weder gegessen noch getrunken werden. Chlorhexidin-Präparate sind apothekenpflichtig und sollten nach Möglichkeit in Absprache mit dem Zahnarzt eingesetzt werden. Für Kinder unter zwölf Jahren ist Chlorhexidin in der Regel nicht geeignet.
Zinnfluorid und Aminfluorid: Wirksame Alternative für den Alltag
Produkte mit der Kombination aus Zinnfluorid und Aminfluorid bieten eine wirkungsvolle Alternative für die tägliche Anwendung bei empfindlichem oder zu Entzündungen neigendem Zahnfleisch. Diese Verbindungen wirken antibakteriell, hemmen das Wachstum von Plaque-Bakterien und schützen gleichzeitig den Zahnschmelz vor Karies. Im Gegensatz zu Chlorhexidin verursachen sie in der Regel keine Zahnverfärbungen und eignen sich für die dauerhafte Anwendung.
Mundspülungen wie jene aus der Meridol-Produktlinie nutzen diese Wirkstoffkombination und sind klinisch auf ihre Wirksamkeit gegen Gingivitis getestet. Sie eignen sich besonders für Personen, die dauerhaft ein empfindliches Zahnfleisch haben oder nach einer abgeheilten Entzündung langfristig vorsorgen möchten. Die Anwendung erfolgt zweimal täglich nach der Zahnreinigung, die Spüllösung wird unverdünnt verwendet und nicht nachgespült.
Was ist der Unterschied zwischen Zinnfluorid und herkömmlichem Natriumfluorid?
Herkömmliche fluoridhaltige Mundspülungen auf Basis von Natriumfluorid dienen vor allem der Kariesvorbeugung. Sie schützen den Zahnschmelz, wirken aber deutlich weniger stark gegen Plaque-Bakterien als Zinnfluorid. Zinnfluorid besitzt durch das enthaltene Zinnatom eine zusätzliche antibakterielle Komponente, die bei der Vorbeugung und Begleitbehandlung von Zahnfleischentzündungen relevant ist. Für Personen mit einem erhöhten Entzündungsrisiko ist daher die Zinnfluorid-Variante die passendere Wahl.
Cetylpyridiniumchlorid und andere antibakterielle Wirkstoffe
Cetylpyridiniumchlorid, abgekürzt CPC, ist ein weiterer antibakterieller Wirkstoff, der in einer Reihe von apothekenpflichtigen Mundspülungen eingesetzt wird. Er wirkt gegen grampositive und gramnegative Bakterien und reduziert die Plaquebildung. Im direkten Vergleich mit Chlorhexidin zeigt CPC eine etwas geringere Wirkstärke, ist aber gut verträglich und eignet sich für eine breitere Daueranwendung. Produkte mit CPC werden häufig bei leichteren Formen der Zahnfleischentzündung eingesetzt.
Ätherische Öle wie Thymol, Eukalyptol, Menthol und Methylsalicylat, bekannt aus der Listerine-Produktlinie, haben ebenfalls klinisch belegte antibakterielle Eigenschaften. Sie reduzieren Plaque und Gingivitis-Symptome wirksam. Diese Produkte sind frei verkäuflich, wirken schnell und eignen sich für die tägliche Ergänzung zur mechanischen Zahnpflege. Allerdings enthalten viele dieser Spülungen Alkohol, was bei manchen Personengruppen unerwünscht ist.
Alkohol in Mundspülungen: Ein unterschätztes Problem
Viele handelsübliche Mundspülungen enthalten Alkohol in Konzentrationen zwischen 5 und 30 Prozent. Aus zahnärztlicher Sicht ist dieser Alkoholanteil kritisch zu bewerten. Ein desinfizierender Effekt durch Alkohol ergibt sich erst ab einer Konzentration von rund 40 Prozent. Unterhalb dieses Wertes trägt Alkohol also nicht wesentlich zur antibakteriellen Wirkung bei.
Gleichzeitig trocknet Alkohol die Mundschleimhaut aus und kann bereits gereiztes Zahnfleisch zusätzlich belasten. Bei Menschen mit Schleimhautempfindlichkeit, Mundtrockenheit oder einer Alkoholunverträglichkeit sind alkoholfreie Mundspülungen deutlich besser verträglich. Für die tägliche Anwendung bei Zahnfleischentzündung empfehlen Zahnärzte daher überwiegend alkoholfreie Varianten. Diese sind heute für nahezu alle relevanten Wirkstoffklassen erhältlich und in ihrer Wirksamkeit gegenüber alkoholhaltigen Produkten nicht unterlegen.
Für wen sind alkoholfreie Mundspülungen besonders wichtig?
Alkoholfreie Formulierungen sind besonders empfehlenswert für Schwangere, Kinder ab einem Alter, in dem Spülungen grundsätzlich geeignet sind, Menschen mit trockener Mundschleimhaut, Personen mit einer bekannten Alkoholunverträglichkeit sowie für alle, die eine Mundspülung über längere Zeiträume verwenden möchten. Da gereiztes Zahnfleisch ohnehin empfindlich auf äußere Reize reagiert, vermeidet man mit einer alkoholfreien Spülung unnötige Schleimhautbelastungen während der Heilungsphase.
Pflegende Mundspülungen und pflanzliche Alternativen
Neben den medizinischen Präparaten gibt es eine Reihe von pflegenden Mundspülungen mit Kräuterextrakten, die bei leichten Reizungen des Zahnfleisches unterstützend eingesetzt werden können. Kamille, Salbei, Myrrhe und Ringelblume sind in der Phytotherapie seit Langem für ihre entzündungshemmenden und leicht antiseptischen Eigenschaften bekannt. Salbei enthält ätherische Öle und Gerbstoffe, die das Zahnfleischgewebe beruhigen. Kamille wirkt ebenfalls entzündungshemmend und abschwellend.
Diese pflanzlichen Spülungen sind gut verträglich, können auch über längere Zeiträume angewendet werden und eignen sich als ergänzende Maßnahme bei leichten Beschwerden. Ihre Wirksamkeit ist jedoch nicht mit der von Chlorhexidin oder Zinnfluorid vergleichbar. Bei einer manifesten Gingivitis reichen sie allein in der Regel nicht aus. Als Ergänzung zur mechanischen Zahnpflege und in Kombination mit einem medizinischen Präparat bei akuten Phasen können sie jedoch sinnvoll sein.
Salzwasser-Spülungen werden ebenfalls häufig als Hausmittel empfohlen. Eine lauwarme Lösung aus einem Teelöffel Salz auf ein Glas Wasser kann leicht desinfizierend wirken und das Gewebe beruhigen. Sie ersetzt keine medizinische Behandlung, ist aber als niedrigschwellige Sofortmaßnahme vertretbar und ohne Nebenwirkungen.
Welche Mundspülungen sind bei Zahnfleischentzündung eher ungeeignet?
Rein kosmetische Mundwässer ohne antibakteriellen Wirkstoff sind zur Behandlung einer Gingivitis nicht geeignet. Sie sorgen für frischen Atem, reduzieren aber die Bakterienzahl im Biofilm nicht ausreichend, um eine Entzündung positiv zu beeinflussen. Wer an blutenden oder stark geschwollenen Zahnfleischtaschen leidet und zu einer solchen Spülung greift, verschwendet Zeit, die für eine gezieltere Behandlung genutzt werden sollte.
Alkoholhaltige Spülungen in hohen Konzentrationen sind bei gereiztem Zahnfleisch ebenfalls mit Vorsicht zu verwenden, da sie zusätzliche Irritationen erzeugen können. Produkte auf Wasserstoffperoxid-Basis können bei empfindlichem Gewebe zu Schleimhautreizungen führen und sollten nur in der empfohlenen Verdünnung angewendet werden. Nelkenöl wird gelegentlich als Hausmittel propagiert, ist jedoch in höheren Konzentrationen gewebereizend und bei Schwangeren, Säuglingen und Kleinkindern kontraindiziert.
Mundspülung als Ergänzung, nicht als Ersatz
Dieser Grundsatz ist zentral: Eine Mundspülung bei Zahnfleischentzündung kann die Zahnpflege sinnvoll ergänzen, ersetzt aber niemals die mechanische Reinigung. Zahnbürste, Zahnseide und Interdentalbürsten entfernen den Plaque-Biofilm direkt und sind durch keine Spülung vollständig zu ersetzen. Auch die professionelle Zahnreinigung beim Zahnarzt bleibt unverzichtbar, weil sich mineralisierten Zahnstein mit einer Bürste oder Spülung nicht entfernen lässt.
Eine Mundspülung erreicht Bereiche, die die Zahnbürste kaum erfasst, beispielsweise enge Zahnzwischenräume, den hinteren Mundraum oder entzündete Zahnfleischtaschen. In diesen Bereichen kann sie die Keimzahl zusätzlich senken und die Abheilung unterstützen. Studien zeigen, dass eine antibakterielle Mundspülung in Kombination mit Zähneputzen und Zahnseide die Plaquereduktion im Vergleich zu mechanischer Reinigung allein messbar verbessert. Diese Wirkung ist jedoch additiv, nicht substituierend.
Wann ist ein Zahnarztbesuch notwendig?
Leichte Zahnfleischreizungen, die nach einer Intensivierung der Mundhygiene und dem vorübergehenden Einsatz einer geeigneten Mundspülung innerhalb weniger Tage abklingen, müssen nicht zwingend zahnarztpflichtig sein. Wenn sich jedoch die Symptome trotz konsequenter Pflege nicht innerhalb von sieben bis zehn Tagen bessern, sollte umgehend ein Zahnarzt aufgesucht werden.
Ein Zahnarztbesuch ist unbedingt erforderlich, wenn Zahnfleischbluten dauerhaft und ohne erkennbaren Auslöser auftritt, wenn sich tiefe Zahnfleischtaschen bilden oder das Zahnfleisch sichtbar zurückgeht, wenn Schmerzen oder Schwellungen zunehmen, wenn sich Eiteransammlungen zeigen oder wenn die Entzündung immer wiederkehrt. Diese Zeichen können auf eine fortgeschrittene Parodontitis oder eine andere systemische Erkrankung hinweisen, die einer professionellen Diagnose und Behandlung bedarf. Eine unbehandelte Parodontitis wurde in der wissenschaftlichen Literatur zudem mit systemischen Erkrankungen wie Diabetes, Herzkreislauferkrankungen und Komplikationen in der Schwangerschaft in Verbindung gebracht.
Kernfakten im Überblick
| Aspekt | Wesentliches |
|---|---|
| Wirkstoff bei akuter Gingivitis | Chlorhexidin (0,1–0,2 %) gilt als Goldstandard, zeitlich begrenzt anwenden, apothekenpflichtig |
| Dauerpflege bei empfindlichem Zahnfleisch | Zinnfluorid und Aminfluorid wirken antibakteriell ohne Verfärbungsrisiko, für die tägliche Anwendung geeignet |
| Alkohol in Mundspülungen | Unter 40 % kein desinfizierender Nutzen, trocknet Schleimhäute aus, alkoholfreie Varianten bevorzugen |
| Mundspülung als Ersatz | Ergänzt die mechanische Reinigung, ersetzt Zahnbürste und Zahnseide jedoch nicht |
| Zahnarztbesuch | Notwendig, wenn Symptome nach 7–10 Tagen nicht abklingen, bei Zahnfleischrückgang oder tiefen Taschen |
Fazit
Welche Mundspülung bei Zahnfleischentzündung tatsächlich sinnvoll ist, hängt vom Schweregrad der Entzündung, dem individuellen Pflegeziel und dem Gesundheitszustand der betroffenen Person ab. Wer an einer akuten Gingivitis leidet, greift am besten zu einer apothekenpflichtigen Chlorhexidin-Spülung und setzt diese für maximal einige Wochen in Absprache mit dem Zahnarzt ein. Für die langfristige Vorsorge bei neigendem Zahnfleisch haben sich alkoholfreie Produkte mit Zinnfluorid und Aminfluorid bewährt. Pflanzliche Spülungen mit Salbei oder Kamille können milde Beschwerden begleitend lindern, ersetzen aber keine medizinische Behandlung.
Entscheidend ist, dass eine Mundspülung immer als Ergänzung zur zweimal täglichen Zahnpflege und zur regelmäßigen Reinigung der Zahnzwischenräume eingesetzt wird. Kosmetische Produkte ohne therapeutisch relevante Wirkstoffe sind bei einer manifesten Zahnfleischentzündung keine sinnvolle Wahl. Wer auf die richtige Auswahl achtet, die Anwendungshinweise befolgt und bei anhaltenden Beschwerden den Zahnarzt aufsucht, kann Mundspülungen als wertvolles Werkzeug in der Mundgesundheitspflege nutzen.
Häufig gestellte Fragen zum Thema „Welche Mundspülung bei Zahnfleischentzündung“
Kann man eine Chlorhexidin-Mundspülung auch vorbeugend täglich verwenden?
Eine dauerhafte tägliche Anwendung von Chlorhexidin zur Vorbeugung wird von Zahnärzten in der Regel nicht empfohlen. Der Grund liegt in den Nebenwirkungen bei Langzeitanwendung: Braunverfärbungen der Zähne und Zunge sowie mögliche Veränderungen der Mundflora sind bei dauerhaftem Einsatz realistisch. Chlorhexidin ist ein hochwirksames Antiseptikum, das gezielt und zeitlich begrenzt eingesetzt werden sollte. Für die prophylaktische Dauerpflege sind Produkte mit Zinnfluorid oder Cetylpyridiniumchlorid besser geeignet, da sie ein günstigeres Nebenwirkungsprofil aufweisen und gleichzeitig antibakteriell wirken. Die Entscheidung für oder gegen eine dauerhafte Mundspülung sollte in Abstimmung mit dem Zahnarzt getroffen werden, der den individuellen Befund kennt und das passende Produkt empfehlen kann.
Wie lange dauert es, bis eine Mundspülung bei Zahnfleischentzündung eine spürbare Wirkung zeigt?
Bei konsequenter Anwendung einer geeigneten Mundspülung in Kombination mit gründlicher mechanischer Zahnpflege können sich erste Verbesserungen wie nachlassendes Zahnfleischbluten und weniger Schwellung bereits nach wenigen Tagen zeigen. Eine spürbare Besserung der Entzündungszeichen tritt typischerweise innerhalb von sieben bis zehn Tagen ein. Dabei ist zu beachten, dass die Mundspülung allein selten ausreicht. Erst das Zusammenspiel aus verbesserter Zahnpflege, der Reinigung der Zahnzwischenräume und einer antibakteriellen Spülung führt zu verlässlichen Ergebnissen. Bleibt eine Verbesserung nach diesem Zeitraum aus, ist das ein klares Signal, den Zahnarzt aufzusuchen, da möglicherweise bereits Zahnstein oder tiefere Entzündungsherde vorliegen, die nur professionell behandelt werden können.
Sind Mundspülungen während der Schwangerschaft sicher?
Schwangere entwickeln aufgrund hormoneller Veränderungen häufiger und schneller Zahnfleischentzündungen, weshalb die Frage der geeigneten Mundspülung in dieser Lebensphase besonders relevant ist. Generell empfehlen Zahnärzte in der Schwangerschaft zunächst auf alkoholfreie Pflegeprodukte mit milden Wirkstoffen zu setzen und die mechanische Reinigung zu intensivieren. Chlorhexidin-haltige Präparate sollten in der Schwangerschaft nur nach ausdrücklicher Rücksprache mit dem behandelnden Zahnarzt oder dem betreuenden Frauenarzt angewendet werden, da es bislang keine ausreichenden klinischen Daten zur Sicherheit in diesem Zeitraum gibt. Regelmäßige Zahnarztbesuche während der Schwangerschaft sind in jedem Fall empfehlenswert, da unbehandelte Zahnfleischerkrankungen mit einem erhöhten Risiko für Frühgeburten in Verbindung gebracht werden.
Was passiert, wenn man Mundspülung und Zahnpasta gleichzeitig verwendet?
Die Reihenfolge und der zeitliche Abstand zwischen Zähneputzen und Mundspülung spielen eine unterschätzte Rolle. Besonders bei Chlorhexidin-Präparaten kann der in vielen Zahnpasten enthaltene Inhaltsstoff Natriumlaurylsulfat die Wirkung des Antiseptikums beeinträchtigen. Zahnärzte empfehlen deshalb, nach dem Zähneputzen mindestens zwei Stunden zu warten, bevor Chlorhexidin angewendet wird, oder alternativ eine Zahnpasta ohne diesen Tensid-Zusatz zu verwenden. Bei Zinnfluorid-haltigen Mundspülungen ist dieser Effekt weniger ausgeprägt. Wer die Mundspülung direkt im Anschluss an das Zähneputzen einsetzen möchte, sollte beim Zahnarzt nach produktspezifischen Hinweisen fragen. Die effektivste Abfolge ist in der Regel: Zahnseide zuerst, dann Zähneputzen, dann nach einer Wartezeit die Mundspülung.
Kann eine falsche Mundspülung eine Zahnfleischentzündung verschlimmern?
Ja, das ist in bestimmten Situationen möglich. Stark alkoholhaltige Mundspülungen können bei bereits entzündetem und empfindlichem Zahnfleisch zusätzliche Reizungen der Schleimhäute auslösen und die Symptome vorübergehend verschlimmern. Wer auf konzentrierte Produkte mit Pfefferminzöl oder anderen Reizstoffen zurückgreift, ohne dass die Schleimhaut stabil genug ist, riskiert Brennen und Irritationen. Darüber hinaus führt die ausschließliche Verwendung einer kosmetischen Spülung ohne wirksame Inhaltsstoffe dazu, dass die eigentliche Ursache, also der bakterielle Belag, nicht beseitigt wird und sich die Entzündung ungehindert ausbreiten kann. Im schlimmsten Fall vertraut die betroffene Person auf eine vermeintliche Behandlung, die gar keine ist, und sucht zu spät einen Zahnarzt auf. Die Wahl der richtigen Mundspülung ist daher keine Nebensache.