Zahnfleisch geht zurück, was tun? Ursachen und Behandlung

Präzise Untersuchung des oberen Eckzahns

Zahnfleisch geht zurück, was tun? Ein Zahnfleischrückgang bezeichnet das Zurückweichen des Zahnfleischrandes in Richtung Wurzel. Lassen Sie die Ursache beim Zahnarzt klären. Verlorenes Gewebe bildet sich nicht von selbst neu, eine gezielte Therapie kann den Prozess aber stoppen.

Was bei einem Zahnfleischrückgang im Mund passiert

Ein Zahn wirkt plötzlich länger. Beim Trinken von kaltem Wasser zieht es kurz und scharf. Am Übergang zur Krone zeigt sich ein gelblicher Rand, der vor ein paar Jahren noch nicht da war. Mit genau diesen Beobachtungen kommen Patientinnen und Patienten in die Sprechstunde, und hinter allen dreien steckt derselbe Vorgang.

Fachleute sprechen von einer Gingivarezession, umgangssprachlich auch von Zahnfleischschwund. Gemeint ist eine Verlagerung des Zahnfleischsaums in Richtung Wurzelspitze, sodass Teile der Zahnwurzel frei liegen. Gesundes Zahnfleisch schützt die Wurzel wie ein enger Kragen. Fehlt dieser Kragen, liegt eine Oberfläche ohne Zahnschmelz offen. Sie besteht aus Wurzelzement und Dentin, einer Hartsubstanz mit feinsten Kanälchen, die Kälte und Süße bis zum Nerv weiterleiten.

Der Saum sitzt nicht lose auf dem Zahn. Feine Fasern verbinden ihn mit der Wurzel und dem Kieferknochen. Zusammen mit Wurzelhaut und Wurzelzement bildet er den Zahnhalteapparat, das sogenannte Parodont. Baut eine Entzündung Knochen ab, zieht sich das Zahnfleisch hinterher. Wird der Rand dagegen mechanisch verletzt, ist das anders. Der Rand zieht sich zurück, obwohl der Knochen zunächst stabil bleibt.

Diese Unterscheidung klingt akademisch. Für die Behandlung ist sie es nicht. Ein entzündlicher Prozess verlangt eine andere Therapie als ein Putzschaden, und jeder Eingriff am Weichgewebe hält nur, wenn der Auslöser vorher beseitigt wurde.

Woran erkennen Sie zurückgehendes Zahnfleisch?

Der Zahnfleischrückgang beginnt oft schleichend und zieht sich über Jahre. Bemerken Patienten, dass sich das Zahnfleisch zurückzieht, ist der Prozess meist schon weit gediehen. Typische Zeichen sind länger wirkende Zähne, kleine Stufen am Übergang zur Wurzel und schmerzempfindliche Zähne bei Kälte, Süßem oder Saurem. Zwischen den Frontzähnen entstehen gelegentlich dunkle Dreiecke, weil die Papille schrumpft. Manche Betroffene ertasten mit der Zunge eine Kante, wo früher eine glatte Fläche war. Und irgendwann ist am Rand mehr Wurzel als Zahnfleisch sichtbar.

Keines dieser Zeichen ist eindeutig. Ein Zahn, der empfindlich auf Kälte reagiert, kann auch Karies oder einen Haarriss im Schmelz haben. Blutet Ihr Zahnfleisch zusätzlich oder fällt Mundgeruch auf, spricht das eher für eine Entzündung als für einen rein mechanischen Schaden. In beiden Fällen gilt: freiliegende Zahnhälse sollten Sie zahnärztlich abklären lassen.

Wie unterscheiden Fachleute die Schweregrade?

Seit dem Weltworkshop der amerikanischen und der europäischen Fachgesellschaft für Parodontologie, dessen Ergebnisse 2018 erschienen, gilt international die Einteilung nach dem Florentiner Parodontologen Francesco Cairo. Sie kennt drei Rezessionstypen. Beim Typ RT1 ist zwischen den Zähnen kein Halt verloren gegangen. Beim Typ RT2 hat der Zahn auch in den Zwischenräumen Befestigung eingebüßt, allerdings höchstens so viel wie an der Außenseite. Beim Typ RT3 ist der Verlust zwischen den Zähnen größer als außen.

Der Typ bestimmt die Prognose. Bei RT1 lässt sich die freiliegende Wurzel chirurgisch in vielen Fällen vollständig decken. Bei RT3 gelingt eine vollständige Deckung nach heutigem Wissensstand nicht mehr. Wie sich die Typen verteilen, zeigt eine Querschnittsstudie aus Ägypten mit 3.773 Teilnehmenden: 43,8 Prozent der Rezessionen entfielen auf RT1, 37,3 Prozent auf RT2 und 18,9 Prozent auf RT3.

Die Ursachen von Zahnfleischrückgang im Überblick

Selten steckt nur ein einziger Auslöser dahinter. In der Praxis zeigt sich allerdings, dass sich mehrere Faktoren überlagern, und erst ihre Kombination erklärt, warum ein Zahn betroffen ist und der Nachbarzahn nicht. Je nach Ursache unterscheiden sich Prognose und Therapie deutlich. Zwei Auslöser verdienen besondere Aufmerksamkeit, weil sie den Großteil der Fälle erklären.

Warum ist Parodontitis die häufigste Ursache?

Die Parodontitis ist eine chronische Entzündung des Zahnbetts. Bakterien aus dem Biofilm siedeln sich unterhalb des Zahnfleischrandes an, das Immunsystem reagiert, und im Verlauf dieser Abwehrreaktion baut der Körper Knochen ab. Zwischen Zahn und Saum entstehen Zahnfleischtaschen. Sinkt der Knochen, sinkt der Saum mit.

Wie verbreitet die Erkrankung ist, belegt die Sechste Deutsche Mundgesundheitsstudie (DMS 6) des Instituts der Deutschen Zahnärzte. Nach der aktuellen wissenschaftlichen Klassifikation weisen 95,1 Prozent der 35- bis 44-Jährigen eine Zahnbettentzündung in einem der Stadien I bis IV auf. Bei den 65- bis 74-Jährigen sind es rund 85 Prozent. Die Längsschnittauswertung derselben Studie zeigt außerdem, dass 63 Prozent der zuvor parodontal gesunden jüngeren Erwachsenen innerhalb von neun Jahren erkrankten.

Tückisch ist der leise Verlauf. Schmerzen treten meist erst spät auf, und ein Satz fällt in der Sprechstunde immer wieder: Es habe doch nie wehgetan. Das früheste Warnsignal ist Bluten. Wer bemerkt, dass das Zahnfleisch blutet, beim Essen oder beim Putzen, sollte das nicht übergehen. Eine unbehandelte Zahnfleischentzündung kann über Monate in eine Parodontitis übergehen.

Warum geht das Zahnfleisch zurück, obwohl Sie gründlich putzen?

Weil Gründlichkeit und Druck zwei verschiedene Dinge sind. Wer mit harter Borste und viel Kraft waagerecht schrubbt, verletzt den Rand bei jedem Putzvorgang ein wenig. Wie stark das Zahnfleisch leidet, hängt vor allem vom Andruck ab. Der Rand weicht zurück, die Wurzeloberfläche wird mit der Zeit sogar abgetragen. Typisch sind keilförmige Kerben am Zahnhals, vor allem an Eckzähnen und kleinen Backenzähnen, weil diese im Zahnbogen am weitesten nach außen stehen.

Ein Bild aus dem Praxisalltag: Ein Mann Ende dreißig mit auffallend sauberen Zähnen klagt über empfindliche Eckzähne. Plaque findet sich kaum. Die Erklärung liegt in einer harten Bürste und einer Bewegung wie beim Schuheputzen. Paradox, aber typisch. Eine falsche Putztechnik zählt zu den Ursachen, die sich am leichtesten abstellen lassen.

Welche weiteren Faktoren begünstigen den Zahnfleischrückgang?

Neben Entzündung und Putzschäden wirken anatomische Voraussetzungen, Gewohnheiten und Allgemeinerkrankungen mit. Manche dieser Faktoren lassen sich nicht ändern, andere sehr wohl. Für die Planung einer Behandlung ist es hilfreich, alle zu kennen, weil nur dann einschätzbar ist, ob ein Rückgang zum Stillstand kommt oder weiter fortschreitet. Die folgenden Punkte tauchen in Befunden immer wieder auf:

  • Dünnes Zahnfleisch: Ein zarter Gewebetyp über einer schmalen Knochenwand reagiert empfindlicher auf Reize als ein dicker, fester Saum.
  • Zahnstellung: Zähne, die aus dem Zahnbogen nach außen ragen, haben eine dünnere Knochendecke. Eine Zahnfehlstellung oder eine Zahnspangenbehandlung, die Zähne über die Knochengrenze hinaus bewegt, kann den Prozess auslösen.
  • Pressen und Knirschen: Ob Zähneknirschen den Saum direkt schädigt, ist wissenschaftlich umstritten. Als verstärkender Faktor wird es diskutiert.
  • Tabakkonsum: Rauchen gilt als stärkster beeinflussbarer Risikofaktor der Zahnbettentzündung und verschleiert das Warnsignal Blutung, weil Nikotin die Gefäße verengt.
  • Allgemeinerkrankungen: Ein schlecht eingestellter Diabetes erhöht das Risiko für Entzündungen im Zahnbett.
  • Piercings: Lippen- und Zungenschmuck kann das Zahnfleisch reizen, weil er dauerhaft am Saum der unteren Frontzähne reibt.
  • Ernährung: Eine Auswertung von 15 Studien mit 1.140 Teilnehmenden, 2021 von Philippe Hujoel an der University of Washington veröffentlicht, verbindet niedrige Blutspiegel an Vitamin C mit einer erhöhten Blutungsneigung des Zahnfleischrandes.

Die Liste zeigt, warum ein Blick allein selten genügt. Ein dünner Gewebetyp ist für sich harmlos. Kommen aber ein vorstehender Eckzahn und eine harte Bürste hinzu, entsteht genau die Konstellation, in der der Saum nachgibt. Erst wenn das Zusammenspiel bekannt ist, lässt sich gezielt gegensteuern. Häufig reicht es dann schon, einen einzigen Faktor zu beseitigen, um die Lage zu beruhigen.

Welche Folgen von Zahnfleischrückgang drohen?

Betroffene sehen zuerst ein kosmetisches Problem. Das greift zu kurz. Die freiliegende Wurzel ist ein Schwachpunkt, und daraus ergeben sich drei Folgen, die sich erst über Jahre bemerkbar machen.

Die erste ist Überempfindlichkeit. Offene Dentinkanälchen machen die Wurzel empfindlich und leiten Reize direkt weiter, und empfindliche Zahnhälse können beim Trinken, Essen oder Atmen kalter Luft Schmerzen verursachen. Die zweite ist Karies an der Wurzel. Wurzeldentin ist weniger dicht mineralisiert als Schmelz, seine Kristalle sind kleiner, und Säuren lösen es deshalb schneller auf. Diese Wurzelkaries entsteht bevorzugt an Stellen, an denen sich Biofilm hält.

Die dritte Folge betrifft den Halt. In fortgeschrittenen Fällen kann das Zahnfleisch so weit zurückweichen, dass mit dem Knochen auch die Stabilität verloren geht. Der Zahn lockert sich. Die DMS 6 beziffert, was das bedeutet: Erwachsene mit schwerer Zahnbettentzündung verloren in neun Jahren im Mittel 1,8 Zähne, Erwachsene ohne oder mit leichter Erkrankung nur 0,35.

Zahnfleischrückgang: was tun? Der sinnvolle Ablauf

Je früher die Ursache erkannt wird, desto besser lässt sich der Rückgang bremsen. Die Reihenfolge zählt mehr als jede einzelne Maßnahme. Am Anfang steht die Diagnose, danach das Abstellen der Ursache, erst zum Schluss die Frage nach einer Deckung. Wer diesen Ablauf umkehrt und sofort operieren lässt, riskiert, dass der neue Saum denselben Schaden erleidet wie der alte.

Sie sollten zum Zahnarzt gehen, sobald Sie eine der beschriebenen Veränderungen bemerken. Abwarten bringt nichts. Ein Termin dauert eine halbe Stunde, ein übersehener Knochenabbau kann dagegen einen Zahn gefährden.

Was passiert bei der Untersuchung in der Zahnarztpraxis?

In der Zahnarztpraxis misst das Behandlungsteam mit einer feinen Parodontalsonde, die eine Millimeterskala trägt. Erfasst werden die Tiefe der Taschen, das Ausmaß der Rezession vom Schmelzrand bis zum Saum und die Breite der fest anhaftenden Schleimhaut. Blutet eine Stelle beim Sondieren, ist das ein Hinweis auf aktives Entzündungsgeschehen. Röntgenbilder zeigen, wie hoch der Kieferknochen um die Wurzeln noch steht.

Aus diesen Werten ergibt sich ein Befund mit einer klaren Aussage: entzündlicher oder mechanischer Prozess, lokal oder verteilt, stabil oder fortschreitend. Bitten Sie darum, dass die Messwerte notiert werden. Eine zweite Messung nach einigen Monaten zeigt dann objektiv, ob die Rezession zum Stillstand gekommen ist.

Wann reicht es, die Ursache abzustellen?

Nicht jede Rezession muss operiert werden. Das gilt allerdings nur für flache Befunde ohne Entzündung, ohne starke Empfindlichkeit und ohne ästhetische Beeinträchtigung. Wurde der Prozess frühzeitig erkannt, genügt es in solchen Fällen, die Putztechnik umzustellen, die Bürste zu wechseln und die Stelle in festen Abständen zu kontrollieren. Bleiben die Messwerte über ein bis zwei Jahre gleich, spricht wenig für einen Eingriff.

Anders sieht es aus, wenn der Befund fortschreitet, die Wurzel bereits Defekte zeigt oder die fest anhaftende Schleimhaut fast verschwunden ist. Dann wird aus der Beobachtung ein Behandlungsplan.

Behandlung von Zahnfleischrückgang in der Praxis

Die Therapie richtet sich nach Ursache und Rezessionstyp. Zwei Säulen tragen das Konzept: die Behandlung der Entzündung und die chirurgische Rekonstruktion. Ergänzend kommen Maßnahmen an der Wurzeloberfläche selbst hinzu, wenn eine Operation nicht in Frage kommt.

Wie läuft eine Parodontitistherapie ab?

Liegt eine Zahnbettentzündung vor, hat ihre Behandlung Vorrang. Eine systematische Parodontalbehandlung beginnt mit einer gründlichen Reinigung und einer Anleitung zur häuslichen Mundhygiene. Im nächsten Schritt entfernt das Behandlungsteam unter örtlicher Betäubung Beläge und harte Ablagerungen von den Wurzeloberflächen innerhalb der Taschen. Fachleute sprechen von subgingivaler Instrumentierung, also einer Reinigung unterhalb des Saums.

Rund drei Monate später folgt eine Nachuntersuchung. Haben sich die Taschen verkleinert und hört die Blutung auf, beginnt die unterstützende Nachsorge in festen Intervallen. Tiefe Resttaschen können eine zweite, gezielte Behandlung erfordern. Diese Nachsorge ist kein Zusatz, sondern der Teil, der über den langfristigen Erfolg bestimmt. Wird eine Parodontitis früh erkannt und behandelt, bleibt der Zahnverlust nach den Daten der DMS 6 deutlich geringer.

Wie lässt sich zurückgegangenes Gewebe chirurgisch decken?

Als bewährteste Methode gilt in Studien die Kombination aus einem Bindegewebstransplantat und einer Verschiebung des vorhandenen Saums. Die Chirurgin oder der Chirurg entnimmt dafür ein dünnes Stück Bindegewebe vom Gaumen, legt es über die freiliegende Wurzel und zieht den Rand darüber nach oben. Bei der Tunneltechnik geschieht das ohne sichtbare Schnitte zwischen den Zähnen, was die Heilung an den Papillen schont.

Alternativ setzen Behandler Kollagenmatrizen ein, die das Transplantat vom Gaumen ersetzen. Das erspart eine zweite Wunde, die Ergebnisse fallen in Studien aber etwas weniger vorhersagbar aus. Geht es nicht um die Deckung, sondern um mehr fest anhaftende Schleimhaut, kommt ein freies Schleimhauttransplantat in Betracht. Ablauf und Heilung beschreibt der Beitrag über die Zahnfleischtransplantation.

Realistisch bleiben ist wichtig. Die Gaumenwunde schmerzt einige Tage, das endgültige Ergebnis zeigt sich erst nach Monaten, und Raucher erzielen schlechtere Deckungsraten. Die naheliegende Frage, ob sich das Gewebe regenerieren kann, beantwortet die Chirurgie also mit einem eingeschränkten Ja: Neues Gewebe entsteht, aber nur durch einen Eingriff und nur bei passender Ausgangslage.

Welche Rolle spielen Füllungen und Schutzlacke?

Bei RT3 oder wenn ein Eingriff aus anderen Gründen ausscheidet, bleibt die Versorgung der Wurzeloberfläche selbst. Keilförmige Defekte lassen sich mit einer zahnfarbenen Füllung aus Komposit verschließen. Das glättet die Oberfläche, schützt das Dentin und senkt die Überempfindlichkeit spürbar.

Ergänzend tragen Zahnärztinnen und Zahnärzte Fluoridlack oder versiegelnde Präparate auf die offenen Dentinkanälchen auf. Diese Schutzschicht ist auch deshalb sinnvoll, weil freiliegendes Wurzeldentin säureanfälliger ist als Schmelz.

Was Sie selbst tun können und wo die Grenzen liegen

Ohne Ihre Mitarbeit hält kein Behandlungserfolg. Die gute Nachricht: Die wirksamsten Gewohnheiten brauchen kaum Zeit. Wer den Zahnfleischrückgang stoppen will, setzt vor allem bei der täglichen Routine an. Zur Vorbeugung von Zahnfleischrückgang gehören dieselben Schritte wie zur Behandlung danach.

Was tun bei Zahnfleischrückgang im Alltag?

Verwenden Sie eine weiche Zahnbürste und setzen Sie die Borsten im Winkel von etwa 45 Grad am Saum an. Putzen Sie schonend mit kleinen rüttelnden Bewegungen und führen Sie die Bürste von Rot nach Weiß, also vom Saum zum Zahn. Elektrische Bürsten mit Andruckkontrolle warnen, sobald Sie zu fest drücken. Ist das Zahnfleisch bereits zurückgegangen, gilt diese Technik umso mehr.

Die Bürste allein erreicht nicht alle Flächen. Für die Zahnzwischenräume eignen sich Zahnseide oder Interdentalbürsten in der passenden Größe, die die Prophylaxefachkraft für jeden Zwischenraum bestimmt. Sind Ihre Zähne empfindlich, kann eine Zahnpasta für empfindliche Zähne mit Kaliumnitrat oder Zinnfluorid die Beschwerden lindern. Achten Sie bei Weißmacher-Cremes auf die Abrasivität: Die Norm ISO 11609 begrenzt den RDA-Wert auf 250, für offene Wurzeln sind deutlich niedrigere Werte schonender.

Eine professionelle Zahnreinigung ein- bis zweimal im Jahr schließt die Lücke zu dem, was zu Hause nicht gelingt. Sie entfernt harte Ablagerungen, die sich mit keiner Bürste reinigen lassen. Wer das Zahnfleisch langfristig stabilisieren will, kombiniert gute Mundhygiene, regelmäßige Kontrollen und eine angepasste Technik. Wie sich der Saum mit den Jahren verändert, beschreibt der Beitrag zum Zahnfleischrückgang im Alter.

Helfen Hausmittel gegen Zahnfleischschwund?

Häufige Fragen in der Sprechstunde drehen sich um Ölziehen, Salzwasser oder Kräuterspülungen. Die ehrliche Antwort: Zurückgegangenes Zahnfleisch wächst in der Regel nicht nach, und daran ändert kein Hausmittel etwas. Manche Spülungen beruhigen einen gereizten Saum kurzfristig. Verlorenes Zahnfleisch wächst dadurch aber nicht zurück, denn der Körper ersetzt den abgebauten Knochen und die Fasern nicht von selbst. Das Zahnfleisch bildet keinen neuen Saum über einer freiliegenden Wurzel.

Das ist kein Grund zur Resignation. Es heißt nur, dass Spülungen eine Behandlung nicht ersetzen und offene Zahnhälse nicht schützen. Wer sich auf Spülungen verlässt und dafür den Termin verschiebt, verliert Zeit.

Welche Fehler beschleunigen den Rückgang des Zahnfleischs?

Der verbreitetste Fehler ist eine Gegenreaktion. Wer Blutungen bemerkt, putzt die Stelle seltener oder vorsichtiger, und gerade dort sammelt sich dann mehr Belag. Genauso ungünstig wirkt das Gegenteil: noch fester schrubben, weil sich die Zähne nicht sauber anfühlen. Um Verletzungen am Zahnfleisch zu vermeiden, zählt die Bewegung mehr als die Kraft.

Ein weiterer Irrtum betrifft die Erwartung. Verbreitet ist die Annahme, der Saum erhole sich von selbst, wenn man ihn nur lange genug schont. Das passiert nicht. Wer wartet, verliert Zeit, in der eine Entzündung weiter Knochen abbauen kann.

Kernfakten im Überblick

Aspekt Wesentliches
Nachwachsen Abgebaute Schleimhaut bildet sich nicht von selbst neu. Ein neuer Saum entsteht nur durch einen chirurgischen Eingriff.
Hauptursachen Zahnbettentzündung mit Knochenabbau und mechanische Schäden durch falsches Putzen, verstärkt durch Zahnstellung, Gewebetyp und Rauchen.
Diagnose Messung mit der Parodontalsonde, Einteilung nach Cairo in RT1, RT2 oder RT3, Röntgenbild zur Beurteilung des Knochens.
Behandlung Zuerst Ursache abstellen, bei Zahnbettentzündung systematische Therapie mit Nachsorge, danach Deckung mit Bindegewebstransplantat oder Füllung an der Wurzel.
Vorbeugung Weiche Bürste, Putzen von Rot nach Weiß ohne starken Druck, Reinigung der Zwischenräume, Kontrollen und professionelle Reinigung.

Fazit

Wenn das Zahnfleisch zurückgeht, ist Abwarten die schlechteste Option. Der Rückgang selbst ist selten ein Notfall, er ist aber ein Symptom, und hinter diesem Symptom steckt meist entweder eine Zahnbettentzündung oder eine Putzgewohnheit, die mehr schadet als nützt. Beides lässt sich feststellen und abstellen.

Die Antwort auf die Frage nach dem richtigen Vorgehen folgt einer klaren Reihenfolge. Lassen Sie messen, welcher Rezessionstyp vorliegt und ob ein entzündlicher Prozess im Spiel ist. Behandeln Sie die Ursache konsequent. Entscheiden Sie erst danach gemeinsam mit Ihrer Praxis, ob eine Deckung sinnvoll ist. Bei RT1 sind die Aussichten gut, bei RT3 stehen Schutz und Stabilisierung im Vordergrund. Wer diesen Weg geht, schützt das Zahnfleisch dauerhaft und behält seine Zähne mit hoher Wahrscheinlichkeit, auch wenn der Rand nie wieder ganz so aussieht wie mit zwanzig. Für Ihre Mundgesundheit zählt am Ende nicht die makellose Optik, sondern ein stabiler Befund.

Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine zahnärztliche Beratung oder Diagnose. Bei Beschwerden oder Fragen wenden Sie sich bitte an einen qualifizierten Zahnarzt.

Häufig gestellte Fragen zum Thema „Zahnfleisch geht zurück, was tun“

Warum wirkt der Saum nach einer Parodontitisbehandlung zunächst noch weiter zurückgegangen?

Vor der Behandlung ist entzündetes Gewebe geschwollen und liegt höher an der Krone, als es seiner tatsächlichen Befestigung entspricht. Sobald die Entzündung nach der Reinigung der Wurzeloberflächen abklingt, schwillt der Rand ab und strafft sich. Er sinkt dadurch sichtbar ein Stück tiefer. Für Betroffene wirkt das wie eine Verschlechterung, medizinisch ist es das Gegenteil: Der Saum zeigt jetzt seine echte Lage, die Taschen sind flacher und die Entzündung ist zur Ruhe gekommen. Dass Wurzeln in den ersten Wochen danach empfindlich reagieren, ist typisch, und es lässt sich mit Fluoridlack oder versiegelnden Präparaten lindern.

Kann der Saum auch an Kronen oder Implantaten zurückweichen?

Ja. Bei überkronten Zähnen zeigt sich das meist zuerst als dunkler oder sichtbarer Kronenrand, unter dem die Wurzel hervortritt. Das ist kein Defekt der Krone, sondern eine Veränderung des Gewebes darunter. An Implantaten spricht man von einer Weichgeweberezession. Sie entsteht durch Entzündungen rund um das Implantat, durch eine zu dünne Schleimhaut oder durch eine ungünstige Position des Implantats. Weil Implantate keine Wurzelhaut besitzen, breitet sich eine Infektion dort schneller aus als an einem eigenen Zahn. Regelmäßige Kontrollen sind bei Kronen und Implantaten deshalb mindestens so wichtig wie bei unversorgten Zähnen.

Was bedeutet es, wenn nur ein einzelner Zahn betroffen ist?

Ein lokal begrenzter Befund an nur einem Zahn deutet eher auf einen örtlichen Auslöser hin als auf eine allgemeine Erkrankung. Infrage kommen ein Zahn, der weiter außen im Zahnbogen steht, ein Lippenbändchen, das am Zahnfleisch zieht, ein Piercing, eine überstehende Füllung oder eine Stelle, die beim Putzen besonders kräftig bearbeitet wird. Trotzdem sollte die Praxis eine Parodontitis ausschließen, denn sie kann an einzelnen Stellen beginnen. Die gute Nachricht: Einzelne Rezessionen vom Typ RT1 an einem Frontzahn oder Eckzahn gehören zu den Befunden mit den besten Aussichten auf eine vollständige chirurgische Deckung.

Lässt sich ein schwarzes Dreieck zwischen den Frontzähnen wieder schließen?

Schwarze Dreiecke entstehen, wenn die Papille zwischen zwei Zähnen schrumpft. Ihre Höhe hängt vom Knochen zwischen den Zähnen ab, und dieser lässt sich kaum gezielt wieder aufbauen. Chirurgische Verfahren zur Papillenrekonstruktion existieren, ihre Ergebnisse gelten aber als schwer vorhersagbar. Unterspritzungen mit Hyaluronsäure werden angeboten, die Datenlage dazu ist bislang dünn und die Wirkung nicht dauerhaft belegt. In der Praxis schließen Behandler solche Lücken meist zahnseitig, also durch eine Verbreiterung der Zähne mit Komposit oder durch Verblendschalen. Das verändert die Zahnform leicht, löst das ästhetische Problem aber zuverlässiger als ein Eingriff am Weichgewebe.

Muss eine Zahnspange zwangsläufig zu Zahnfleischschwund führen?

Nein. Eine sorgfältig geplante Zahnspangenbehandlung bewegt Zähne innerhalb des vorhandenen Knochens und lässt den Saum unbeeinträchtigt. Kritisch wird es, wenn Zähne nach außen über die Knochengrenze hinaus geschoben werden oder wenn bereits vorher ein sehr dünner Gewebetyp vorlag. Bei Erwachsenen mit bekannter Zahnbettentzündung muss diese vor Beginn der Behandlung stabil sein. Umgekehrt kann eine Zahnspange einen Rückgang sogar bremsen, wenn sie einen weit vorstehenden Zahn zurück in den Zahnbogen holt und der Rand dort wieder eine bessere Knochenunterlage bekommt. Fachleute empfehlen bei dünnem Gewebe vor der Behandlung eine parodontologische Einschätzung.

Weitere Informationen

Jetzt kostenlose Zahndiagnose starten!

Sie möchten endlich wieder gesunde und gerade Zähne? Mit unserer kostenlosen Zahndiagnose können
Sie innerhalb kürzester Zeit Ihre Reise zu neuen strahlenden Zähnen beginnen. Jetzt ausprobieren
und kostenlose Zahnanalyse von unseren Profis erhalten!