Zahnprellung erkennen: Symptome, Dauer und Behandlung

Zahnprellung

Eine Zahnprellung entsteht durch stumpfe Gewalteinwirkung auf einen Zahn, ohne dass dieser bricht oder sich lockert. Typisch sind Druckschmerz beim Zubeißen, eine erhöhte Empfindlichkeit und gelegentlich eine leichte Verfärbung in den folgenden Tagen.

Ein Sturz beim Radfahren, der Ellbogen des Gegenspielers beim Basketball, ein harter Bissen auf einen Olivenkern. Solche Momente reichen aus. Der Zahn sitzt danach scheinbar unverändert in seinem Fach, doch das Gewebe um die Wurzel herum hat einen Schlag abbekommen, den der Patient erst Stunden später richtig spürt.

Die Zahnprellung, fachsprachlich Concussio dentis, gilt als die mildeste Form einer dentalen Verletzung nach einem Trauma. Sie bleibt oft unerkannt, weil sichtbare Schäden fehlen. Trotzdem ist sie kein Bagatellbefund. Unbehandelt kann sie zu Spätfolgen führen, die Jahre später eine Wurzelbehandlung erforderlich machen. Wer die Anzeichen früh deutet und richtig reagiert, vermeidet genau das.

Dieser Beitrag erklärt, woran Sie eine Prellung erkennen, wie lange die Beschwerden anhalten und welche Schritte sinnvoll sind. Auch dann, wenn der Zahn auf den ersten Blick völlig intakt aussieht.

Was genau ist eine Zahnprellung?

Bei einer Concussio dentis wird der Zahn durch äußere Krafteinwirkung gestaucht oder erschüttert, ohne dass er aus seiner Position weicht. Das Zahnfach bleibt geschlossen, die Wurzel sitzt fest. Verletzt ist allein das Stützgewebe um die Wurzel herum, das sogenannte Parodontalligament. Dieses feine Fasergeflecht hält den Zahn im Knochen und enthält Nervenenden, die auf Druck und Bewegung reagieren.

Genau dort entsteht das Problem. Die Fasern werden überdehnt, kleinste Blutgefäße reißen, es kommt zu einer Mikroentzündung. Der Zahn meldet sich, sobald Druck auf ihn wirkt. Beim Zubeißen, beim Klopfen mit dem Fingernagel, manchmal schon bei leichter Berührung mit der Zunge.

Die Internationale Vereinigung für Dentale Traumatologie führt die Zahnprellung als eigenständige Diagnose im Klassifikationssystem für Zahnverletzungen. Sie unterscheidet sie klar von der Lockerung, bei der der Zahn beweglich wird, und von der Luxation, bei der er aus seiner Position verschoben ist. Bei der Prellung bleibt alles an seinem Platz. Nur das Innere leidet.

Wie unterscheidet sich eine Zahnprellung von einer Zahnlockerung?

Der entscheidende Unterschied liegt in der Beweglichkeit. Ein geprellter Zahn ist nicht locker. Wer mit dem Finger leicht dagegendrückt, spürt keinen Spielraum. Bei einer Subluxation, also einer Lockerung, lässt sich der Zahn deutlich bewegen, oft begleitet von Blutungen am Zahnfleischrand. Bei der Prellung fehlen diese Zeichen. Genau das macht sie tückisch. Patienten unterschätzen die Verletzung und suchen erst spät einen Zahnarzt auf.

Welche Symptome treten bei einer Zahnprellung auf?

Die Beschwerden zeigen sich meist innerhalb der ersten Stunden nach dem Trauma. Manchmal sofort. Manchmal erst am nächsten Morgen, wenn die erste Tasse Kaffee am betroffenen Zahn vorbeiläuft.

Typisch ist ein Klopfschmerz. Der Patient kann den Zahn meist genau benennen, weil das vorsichtige Klopfen mit dem Fingernagel oder einem Löffelstiel deutlich unangenehm ist. Hinzu kommt ein dumpfer Druckschmerz beim Zubeißen, besonders auf harten Speisen wie Brot, Nüssen oder Äpfeln. Manche Betroffene berichten von einem Gefühl, als sei der Zahn länger geworden oder stünde leicht erhöht im Kiefer. Das ist eine Sinnestäuschung, die durch die Entzündung im Wurzelhautbereich entsteht.

Weitere Anzeichen:

  • Eine erhöhte Empfindlichkeit auf Kälte, seltener auf Wärme
  • Ein pulsierendes Gefühl im Liegen oder beim Bücken
  • Eine leichte Druckschmerzhaftigkeit beim Berühren mit der Zunge
  • Eine beginnende Verfärbung der Zahnkrone nach einigen Tagen bis Wochen, meist gräulich oder rötlich

Die Verfärbung entsteht, wenn Blutfarbstoff aus geplatzten Gefäßen im Wurzelkanal in die Dentinkanälchen eindringt. Sie ist ein wichtiger Hinweis darauf, dass die Pulpa, also das Nervengewebe im Zahn, geschädigt wurde. Wer eine solche Veränderung beobachtet, sollte zeitnah einen Zahnarzt aufsuchen, auch wenn die akuten Schmerzen längst abgeklungen sind.

Kann eine Zahnprellung auch ohne Schmerzen auftreten?

Ja. Vor allem bei Kindern und Jugendlichen, deren Wurzelspitze noch nicht vollständig geschlossen ist, verläuft eine Prellung manchmal stumm. Der Zahn reagiert weder auf Klopfen noch auf Kälte, die Pulpa bleibt zunächst unauffällig. Erst Monate später zeigt sich, dass der Nerv abgestorben ist. Aus diesem Grund empfehlen Fachgesellschaften nach jedem Zahntrauma eine zahnärztliche Kontrolle, unabhängig vom Schmerzempfinden.

Wie lange dauert eine Zahnprellung?

Die meisten Symptome klingen innerhalb von einer bis zwei Wochen ab. Bei einer unkomplizierten Prellung bessert sich der Klopfschmerz nach drei bis fünf Tagen deutlich. Das vollständige Abklingen aller Beschwerden, einschließlich der erhöhten Empfindlichkeit beim Zubeißen, kann jedoch bis zu vier Wochen dauern.

Entscheidend ist die Heilung des Parodontalligaments. Dieses Gewebe regeneriert vergleichsweise schnell, sofern es geschont wird. Patienten, die den betroffenen Zahn entlasten und harte Speisen meiden, sind in der Regel nach zwei Wochen beschwerdefrei. Wer weiter draufbeißt, verzögert den Prozess deutlich.

Die Pulpa benötigt mehr Zeit. Auch wenn der Schmerz verschwunden ist, kann das Nervengewebe Wochen brauchen, bis es sich vollständig erholt hat. Deshalb ist es üblich, den Zahn nach einem Trauma in Abständen von vier Wochen, drei Monaten, sechs Monaten und zwölf Monaten nachzukontrollieren. Ein Sensibilitätstest mit Kältespray gibt dabei Aufschluss über die Vitalität des Nervs.

In manchen Fällen entwickelt sich erst nach Monaten eine sogenannte Pulpanekrose. Der Nerv stirbt ab, ohne dass der Patient es bemerkt. Sichtbar wird das oft erst durch eine zunehmende Verfärbung der Zahnkrone oder einen Zufallsbefund auf einem Röntgenbild. Dann ist eine Wurzelbehandlung notwendig.

Wann sollten die Schmerzen spätestens nachlassen?

Halten die Beschwerden länger als zehn bis vierzehn Tage unverändert an, ist eine erneute Untersuchung angezeigt. Verstärkt sich der Schmerz sogar, statt nachzulassen, deutet das auf eine Komplikation hin. Mögliche Ursachen sind eine Wurzellängsfraktur, die auf dem ersten Röntgenbild noch nicht sichtbar war, oder eine fortschreitende Entzündung der Pulpa. In beiden Fällen ist schnelles Handeln erforderlich, um den Zahn zu erhalten.

Welche Ursachen führen zu einer Zahnprellung?

Die häufigsten Auslöser stammen aus dem Sport. Hockey, Boxen, Handball, Basketball und Mountainbiken stehen in den Unfallstatistiken der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde regelmäßig oben. Auch Stürze auf glattem Untergrund, etwa im Winter oder im Badezimmer, sind eine typische Ursache. Bei Kindern dominieren Spielplatzunfälle und Stürze beim Lauflernen.

Eine zweite Gruppe von Ursachen liegt im Alltag. Wer auf einen unerwartet harten Gegenstand beißt, etwa einen Kirschkern, einen Knochensplitter im Hackfleisch oder ein Steinchen im Müsli, kann sich ebenfalls eine Prellung zuziehen. Die Kraft wirkt dabei punktuell auf einen einzelnen Zahn und überträgt sich auf das Parodontalligament.

Eine dritte, häufig übersehene Ursache ist das nächtliche Zähnepressen. Bruxismus, wie es im Fachjargon heißt, erzeugt über Stunden hinweg Kräfte, die das Mehrfache des normalen Kaudrucks erreichen. Bei besonders intensiven Episoden kann ein einzelner Zahn so stark belastet werden, dass die Symptome einer Prellung entstehen, obwohl kein akutes Trauma vorliegt.

In der Praxis fragen Patienten auffällig oft, ob auch eine zahnärztliche Behandlung selbst eine Prellung auslösen kann. Die Antwort lautet ja. Eine zu hoch eingestellte Krone oder eine frische Füllung, die den Gegenzahn vorzeitig trifft, erzeugt eine punktuelle Überlastung. Wer nach einer Behandlung anhaltenden Druckschmerz verspürt, sollte den Biss kontrollieren lassen.

Wie wird eine Zahnprellung diagnostiziert?

Die Diagnose erfolgt klinisch und radiologisch. Zunächst befragt der Zahnarzt den Patienten zum Unfallhergang. Wann ist es passiert. Welche Kraft hat gewirkt. Gab es weitere Verletzungen im Mund oder am Kopf. Danach folgt die Inspektion. Der Zahn wird auf Risse, Absplitterungen oder Verfärbungen geprüft. Das Zahnfleisch wird auf Schwellungen, Hämatome und Blutungen kontrolliert.

Es folgen mehrere Funktionstests:

  • Der Perkussionstest mit dem Stiel eines zahnärztlichen Spiegels prüft, ob der Zahn auf vertikales und horizontales Klopfen schmerzhaft reagiert
  • Der Sensibilitätstest mit Kältespray oder elektrischem Strom prüft, ob die Pulpa noch reagiert
  • Der Beweglichkeitstest mit zwei Instrumenten prüft, ob der Zahn locker ist
  • Eine Aufbissfolie zeigt, ob der betroffene Zahn vorzeitig Kontakt hat

Diese vier Tests ergeben zusammen ein klares Bild. Ein klopfempfindlicher, aber fester Zahn mit normaler Kältereaktion und ohne sichtbare Risse spricht für eine Prellung. Zur Absicherung wird ein Zahnfilm angefertigt. Auf dem Röntgenbild zeigt sich bei einer reinen Prellung typischerweise kein verbreiteter Parodontalspalt. Genau diese unauffällige Bildgebung bestätigt die Diagnose, denn andere Traumaformen wie eine Extrusion oder eine Wurzelfraktur sind auf dem Röntgenbild meist erkennbar.

In schwierigen Fällen, besonders bei Verdacht auf eine Wurzelfraktur in horizontaler Richtung, kann eine digitale Volumentomographie angefertigt werden. Dieses dreidimensionale Bildgebungsverfahren zeigt feine Frakturlinien, die auf einem normalen Zahnfilm verborgen bleiben.

Wie wird eine Zahnprellung behandelt?

Die gute Nachricht zuerst. Eine unkomplizierte Prellung benötigt meist keine aktive Behandlung. Der Zahn heilt von selbst, wenn er geschont wird. Die zahnärztliche Aufgabe besteht darin, die Diagnose zu sichern, Komplikationen auszuschließen und den Heilungsverlauf zu überwachen.

Die wichtigsten Maßnahmen in den ersten Tagen:

  1. Den betroffenen Zahn vollständig entlasten. Weiche Kost für mindestens eine Woche. Suppen, Joghurt, gedünstetes Gemüse, weiches Brot ohne Kruste
  2. Auf der gegenüberliegenden Seite kauen, wenn möglich
  3. Den Bereich kühlen, besonders in den ersten zwei Stunden nach dem Unfall. Eine Kühlkompresse von außen, niemals direkt auf der Haut, in Intervallen von zehn Minuten
  4. Bei Bedarf ein leichtes Schmerzmittel einnehmen, etwa Ibuprofen 400 Milligramm. Aspirin sollte vermieden werden, weil es die Blutgerinnung hemmt
  5. Auf eine besonders gründliche Mundhygiene achten, um eine zusätzliche Entzündung des Zahnfleischs zu verhindern. Eine weiche Zahnbürste und eine antibakterielle Mundspülung mit Chlorhexidin für sieben bis zehn Tage

Diese fünf Punkte decken den Großteil der häuslichen Versorgung ab. Sie ersetzen keinen Zahnarztbesuch, beschleunigen aber die Heilung deutlich und reduzieren das Risiko späterer Komplikationen wie einer absteigenden Pulpitis oder einer chronischen Entzündung im Wurzelbereich.

Bei nachgewiesener Pulpanekrose ist eine Wurzelkanalbehandlung erforderlich. Der entzündete oder abgestorbene Nerv wird entfernt, der Kanal desinfiziert und mit einem biokompatiblen Material gefüllt. Eine moderne endodontische Behandlung hat eine Erfolgsquote von über neunzig Prozent, wenn sie rechtzeitig durchgeführt wird.

Welche Hausmittel helfen bei einer Zahnprellung?

Kälte hilft. Eine weiche, kalte Kompresse auf der Wange reduziert Schwellung und Druckgefühl. Auch das Spülen mit lauwarmem Salzwasser kann die Heilung unterstützen, indem es die Mundflora beruhigt. Nelkenöl, ein altes Hausmittel, hat eine leicht betäubende Wirkung durch den Inhaltsstoff Eugenol, sollte aber sparsam und nur kurzfristig angewendet werden, da es bei längerem Kontakt das Zahnfleisch reizt. Wärmeanwendungen sind kontraproduktiv. Sie fördern die Durchblutung und können die Entzündung verstärken.

Welche Folgen kann eine unbehandelte Zahnprellung haben?

Die meisten Prellungen heilen ohne Spätfolgen. Doch ein Teil entwickelt sich anders. Die wichtigsten möglichen Komplikationen:

Eine Pulpanekrose tritt bei etwa drei bis sechzehn Prozent der Zahnprellungen auf, je nach Studie und Altersgruppe. Sie entsteht, wenn die Blutversorgung der Pulpa nachhaltig gestört wird. Der Nerv stirbt langsam ab. Wird die Nekrose nicht behandelt, kann sich der Wurzelkanal infizieren und eine apikale Parodontitis entwickeln, eine Entzündung am Wurzelende mit möglicher Bildung einer Zyste.

Eine obliterierende Pulpitis oder Pulpakanalverkalkung ist eine eher harmlose, aber häufige Reaktion. Die Pulpa reagiert auf das Trauma mit vermehrter Bildung von Reizdentin. Der Wurzelkanal verengt sich, manchmal bis zur vollständigen Verkalkung. Der Zahn wird oft gelblicher und reagiert kaum noch auf Kältereize. Eine Behandlung ist nur nötig, wenn Beschwerden auftreten.

Eine äußere Wurzelresorption ist seltener, aber schwerwiegender. Der Körper beginnt, die Wurzelstruktur von außen abzubauen. Sichtbar wird das oft erst auf Kontrollröntgenbildern. Wird die Resorption nicht gestoppt, kann der Zahn verloren gehen.

Verbreitet ist die Annahme, dass eine schmerzfreie Prellung folgenlos bleibt. Diese Annahme trügt. Gerade die Pulpanekrose verläuft in den ersten Monaten meist stumm. Aus diesem Grund sind regelmäßige Nachkontrollen über mindestens ein Jahr nach dem Trauma fester Bestandteil der Behandlung.

Welche Besonderheiten gelten bei Kindern?

Bei Milchzähnen verläuft eine Prellung oft günstiger, weil der Knochen elastischer ist und die Verletzungskräfte besser abgefedert werden. Trotzdem ist Vorsicht geboten. Eine Prellung des Milchzahns kann den darunterliegenden bleibenden Zahnkeim schädigen. Mögliche Folgen sind Schmelzbildungsstörungen, weiße oder bräunliche Flecken auf dem späteren bleibenden Zahn, in seltenen Fällen auch eine Verformung der Krone oder Wurzel. Diese sogenannten Turner-Zähne werden manchmal erst Jahre später sichtbar, wenn der bleibende Zahn durchbricht.

Bei jungen bleibenden Zähnen mit noch offener Wurzelspitze, etwa im Alter von sieben bis elf Jahren, ist die Heilungschance besonders gut. Die offene Apex erlaubt eine bessere Blutversorgung der Pulpa und damit eine schnellere Regeneration. Der Zahn wächst nach dem Trauma weiter und schließt seine Wurzelspitze normal, sofern keine schwerwiegende Schädigung vorliegt.

Eltern sollten nach jedem Zahntrauma einen Zahnarzt aufsuchen, auch wenn das Kind keine Schmerzen äußert. Kinder schildern Beschwerden oft ungenau oder verschweigen sie aus Angst vor der Behandlung. Eine kurze Kontrolle gibt Sicherheit und dokumentiert den Ausgangsbefund für eventuelle spätere Vergleiche.

Wie lässt sich einer Zahnprellung vorbeugen?

Vollständig vermeiden lässt sie sich nicht. Wer aktiv lebt, geht ein gewisses Risiko ein. Doch einige Maßnahmen senken die Wahrscheinlichkeit deutlich.

Beim Sport ist der individuell angepasste Mundschutz die wirksamste Vorbeugung. Studien der American Dental Association zeigen, dass Sportler ohne Mundschutz ein deutlich höheres Risiko für dentale Verletzungen haben als Sportler mit Mundschutz. Der individuell angepasste Mundschutz aus der Zahnarztpraxis schützt besser als die vorgeformten Modelle aus dem Sportgeschäft, weil er passgenau sitzt und den Kaudruck gleichmäßig verteilt.

Bei nächtlichem Zähnepressen hilft eine harte oder weiche Aufbissschiene. Sie wird individuell angefertigt und nachts getragen. Die Schiene fängt die Kräfte ab und verhindert die punktuelle Überlastung einzelner Zähne.

Im Alltag lassen sich einige Risiken durch bewussten Umgang reduzieren. Wer Oliven oder Kirschen isst, sollte mit Bedacht kauen. Wer ein Glas öffnen will, sollte einen Flaschenöffner verwenden und nicht die Zähne. Wer beim Sport Kontakt sucht, sollte den Mundschutz nicht im Spind lassen.

Kernfakten im Überblick

Aspekt Wesentliches
Definition Stumpfe Verletzung des Zahnes ohne Lockerung oder Verschiebung, Schädigung des Parodontalligaments
Hauptsymptome Klopfschmerz, Druckschmerz beim Zubeißen, erhöhte Kälteempfindlichkeit, mögliche Verfärbung nach Tagen
Heilungsdauer Akute Beschwerden klingen meist innerhalb von ein bis zwei Wochen ab, Nachkontrollen über zwölf Monate empfohlen
Behandlung Schonung, weiche Kost, Kühlung, ärztliche Verlaufskontrolle, bei Pulpanekrose Wurzelkanalbehandlung
Mögliche Spätfolgen Pulpanekrose, Pulpaverkalkung, Wurzelresorption, bei Milchzähnen Schädigung des bleibenden Zahnkeims

Fazit

Eine Zahnprellung wirkt auf den ersten Blick harmlos. Der Zahn steht fest, sichtbare Schäden fehlen, der Schmerz ist erträglich. Genau diese Unauffälligkeit macht die Verletzung tückisch. Wer die ersten Anzeichen ignoriert und den betroffenen Zahn weiter belastet, riskiert Folgeschäden, die Jahre später eine aufwendige Behandlung notwendig machen.

Wichtig sind drei Dinge. Erstens die rasche Diagnose durch einen Zahnarzt, auch bei geringen Beschwerden. Zweitens die konsequente Schonung des Zahnes in den ersten Wochen. Drittens die regelmäßige Nachkontrolle über mindestens zwölf Monate, um eine schleichende Pulpanekrose rechtzeitig zu erkennen. Wer diese drei Punkte beachtet, hat in den meisten Fällen eine sehr gute Prognose. Der Zahn bleibt erhalten, der Nerv erholt sich, der Alltag kehrt zurück. Vorbeugung durch einen passgenauen Mundschutz beim Sport und eine Aufbissschiene bei nächtlichem Pressen senkt das Risiko spürbar.

Häufig gestellte Fragen zum Thema „Zahnprellung“

Kann eine Zahnprellung Wochen nach dem Unfall noch Probleme verursachen?

Ja, das ist sogar einer der wichtigsten Gründe für die langfristige Nachsorge. Auch wenn die akuten Schmerzen nach wenigen Tagen verschwinden, kann sich die Pulpa weiter verändern. Eine Pulpanekrose entwickelt sich oft schleichend über mehrere Wochen oder Monate. Erste Hinweise sind eine zunehmende gräuliche Verfärbung der Zahnkrone, ein Verlust der Kältesensibilität oder ein dumpfes Druckgefühl beim Aufbeißen. In selteneren Fällen tritt erst nach Monaten eine Wurzelresorption auf, die nur durch ein Kontrollröntgen erkennbar ist. Deshalb sind die Nachuntersuchungen nach vier Wochen, drei Monaten, sechs Monaten und einem Jahr keine reine Vorsicht, sondern fester Bestandteil der Behandlungsleitlinien.

Ist eine Zahnprellung bei einem Zahn mit Krone oder Wurzelfüllung gefährlicher?

Sie verläuft anders. Ein wurzelbehandelter Zahn hat keine vitale Pulpa mehr, eine Nekrose ist also nicht möglich. Allerdings ist die Verletzung des umliegenden Parodontalligaments genauso schmerzhaft wie bei einem vitalen Zahn. Zudem können wurzelbehandelte Zähne durch die fehlende Elastizität spröder sein, was das Risiko einer begleitenden Wurzelfraktur erhöht. Bei einem überkronten Zahn sollte zusätzlich die Krone selbst auf Sprünge oder Lockerung geprüft werden. Falls die Krone verschoben ist, kann der darunterliegende Stumpf beschädigt sein, was eine umfassende Neuversorgung erforderlich machen kann.

Welche Sportarten haben das höchste Risiko für eine Zahnprellung?

Die Liste ist länger, als viele vermuten. Kontaktsportarten wie Boxen, Kickboxen, MMA, Eishockey, American Football und Rugby stehen ganz oben. Aber auch Mannschaftssportarten ohne direkten Körperkontakt wie Basketball, Handball oder Volleyball führen häufig zu Zahnverletzungen, weil Ellbogen, Bälle oder Mitspieler unerwartet treffen. Beim Mountainbiken, Skaten und Reiten dominieren Sturzverletzungen. Auch beim Wasserball werden überraschend viele Zähne verletzt. Wer eine dieser Sportarten regelmäßig ausübt, sollte einen individuell angepassten Mundschutz tragen. Konfektionierte Modelle aus dem Sportfachhandel bieten deutlich geringeren Schutz und können beim Sturz selbst zur Verletzungsquelle werden, wenn sie schlecht sitzen.

Was kostet die Behandlung einer Zahnprellung in einer Zahnarztpraxis?

Die reine Diagnostik einer Zahnprellung ist überschaubar. Sie umfasst eine klinische Untersuchung, mehrere Funktionstests und in der Regel ein Röntgenbild. Komplexer wird es bei Folgeuntersuchungen über zwölf Monate oder bei einer notwendigen Wurzelbehandlung mit anschließender Versorgung. Die Kosten für eine Wurzelbehandlung an einem Frontzahn liegen je nach Aufwand und Region zwischen dreihundert und achthundert Euro, bei modernen mikroskopisch unterstützten Verfahren auch deutlich höher. Sollte später ein Implantat oder eine Brücke nötig werden, weil der Zahn nicht erhalten werden konnte, steigen die Kosten erheblich. Eine frühzeitige Behandlung der Prellung ist also auch finanziell die deutlich günstigere Option.

Sollten Patienten nach einer Zahnprellung auf bestimmte Lebensmittel dauerhaft verzichten?

Nein, ein dauerhafter Verzicht ist nicht nötig. In den ersten ein bis zwei Wochen nach dem Trauma ist weiche Kost sinnvoll, danach kann die normale Ernährung schrittweise wieder aufgenommen werden. Sobald der Zahn schmerzfrei ist und der Sensibilitätstest beim Zahnarzt unauffällig bleibt, gibt es keine Einschränkungen mehr. Lediglich extrem harte Speisen wie Eiswürfel oder Nussschalen sollten generell gemieden werden, weil sie auch gesunde Zähne überlasten können. Wer einen Zahn nach einer Prellung dauerhaft schont, etwa indem er nur auf einer Seite kaut, riskiert sogar Folgeprobleme wie eine Fehlbelastung des Kiefergelenks oder eine einseitige Abnutzung anderer Zähne.

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