Zahnstein unter dem Zahnfleisch sieht man nicht, man spürt ihn kaum, und genau das macht ihn gefährlich. Er sitzt in den Spalten zwischen Zahn und Zahnfleisch, ist dunkel, steinhart und fest mit der Wurzel verwachsen. Während der gelbliche Zahnstein an der Innenseite der Frontzähne vor allem ein Schönheitsproblem ist, treibt sein verborgenes Gegenstück die Parodontitis voran.
Auffällig oft kommen Patienten zur Behandlung, die sich über blutendes Zahnfleisch oder einen leicht lockeren Zahn wundern. Schmerzen hatten sie nie. Auf dem Röntgenbild zeigen sich dann dunkle Ablagerungen an den Wurzeln und ein Knochen, der sich bereits zurückgezogen hat.
Dieser Beitrag erklärt, was den verborgenen Zahnstein in der Tiefe vom gewöhnlichen unterscheidet, welche Folgen er für Zahnfleisch und Kieferknochen hat und wie Zahnärzte ihn entfernen. Drei Themen stehen im Mittelpunkt: seine besondere Entstehung, der Kreislauf, den er in Gang setzt, und die Behandlung in der Tiefe der Zahnfleischtasche.
Was ist Zahnstein unter dem Zahnfleisch?
Zahnärzte unterscheiden zwei Arten von Zahnstein. Der supragingivale Zahnstein liegt oberhalb des Zahnfleischrands. Er ist gelblich bis weißlich, bildet sich aus Mineralien des Speichels und sammelt sich bevorzugt dort, wo große Speicheldrüsen münden: an der Innenseite der unteren Schneidezähne und an der Außenseite der oberen Backenzähne. Wie diese Form entsteht, erklärt der Beitrag Wie entsteht Zahnstein?.
Der subgingivale Zahnstein liegt unterhalb des Zahnfleischrands. Fachleute nennen ihn auch Konkremente. Er wächst in den Spalten und Taschen zwischen Zahnwurzel und Zahnfleisch und ist mit bloßem Auge nicht zu sehen. Er ist härter, dunkler und haftet fester an der Wurzeloberfläche als sein sichtbares Gegenstück.
Der Unterschied ist mehr als ein kosmetischer. Supragingivaler Zahnstein lässt sich bei einer professionellen Zahnreinigung in wenigen Minuten entfernen. Konkremente dagegen erfordern eine gezielte Behandlung in der Tiefe der Zahnfleischtasche, weil sie dort sitzen, wo Zahnfleisch und Knochen den Zahn festhalten.
Warum sind Konkremente dunkel?
Die Farbe verrät ihre Herkunft. Supragingivaler Zahnstein entsteht aus Speichel. Konkremente entstehen aus der Flüssigkeit, die aus entzündetem Zahnfleisch in die Tasche sickert. Diese Flüssigkeit enthält Blutbestandteile. Beim Abbau des roten Blutfarbstoffs entstehen dunkle Pigmente, die sich in den Zahnstein einlagern. Das Ergebnis ist eine dunkelbraune bis schwarze Kruste.
Mit einem Mineralanteil von rund 60 Prozent zählen Konkremente zu den härtesten Ablagerungen im Mund. Sie verzahnen sich mit den Unebenheiten der Wurzeloberfläche. Eine Zahnbürste bewegt sie nicht. Zahnseide gleitet darüber hinweg. Die dunkle Farbe hat noch eine zweite Bedeutung: Sie zeigt, dass das Zahnfleisch an dieser Stelle bereits blutet, also entzündet ist. Konkremente entstehen nicht in gesundem Gewebe.
Ein Nebeneffekt, den Patienten bemerken: Wenn sich das Zahnfleisch nach der Behandlung strafft, werden am Zahnhals manchmal dunkle Reste sichtbar, die vorher verborgen waren. Das betrifft vor allem die unteren Frontzähne.
Wie entsteht Zahnstein unter dem Zahnfleisch?
Am Anfang steht immer Plaque, der weiche bakterielle Belag. Bleibt er am Zahnfleischrand liegen, entzündet sich das Zahnfleisch. Es schwillt an, rötet sich und blutet beim Putzen. Diese oberflächliche Entzündung heißt Gingivitis. In diesem Stadium ist alles noch umkehrbar.
Bleibt die Entzündung bestehen, lockert sich die Verbindung zwischen Zahnfleisch und Zahn. Der natürliche Spalt am Zahnhals, der gesund nur ein bis drei Millimeter tief ist, vertieft sich zu einer Zahnfleischtasche. In diesem geschützten Raum siedeln sich Bakterien an, die ohne Sauerstoff leben und das Gewebe besonders stark reizen. Die entzündete Tasche sondert Flüssigkeit ab, aus deren Mineralien sich an der Wurzeloberfläche Schicht für Schicht Konkremente bilden. Mehr über diese Taschen lesen Sie im Beitrag zu Zahnfleischtaschen und ihrer Tiefe.
Einige Faktoren beschleunigen diesen Prozess. Rauchen verschlechtert die Durchblutung des Zahnfleischs und verdeckt die Blutung, die sonst warnen würde. Ein schlecht eingestellter Diabetes schwächt die Abwehr. Überstehende Füllungsränder, enge Zahnstellungen und schlecht sitzende Kronen schaffen Nischen, in denen Belag liegen bleibt. Genetische Veranlagung spielt ebenfalls eine Rolle, wäre aber ein eigenes Thema.
Folgen: Ein Kreislauf, der sich selbst verstärkt
Subgingivaler Zahnstein ist nicht nur ein Symptom der Parodontitis. Er ist zugleich ihr Motor. Seine raue, poröse Oberfläche bietet Bakterien einen idealen Halt. Sie besiedeln ihn in dichten Schichten, die man Biofilm nennt, und halten die Entzündung dauerhaft in Gang. Solange Konkremente an der Wurzel haften, kann sich das Zahnfleisch nicht wieder an den Zahn anlegen.
So entsteht ein Kreislauf. Die Entzündung vertieft die Tasche. In der tieferen Tasche bildet sich mehr Zahnstein. Der Zahnstein hält mehr Bakterien. Die Bakterien verstärken die Entzündung. Mit jeder Runde baut der Körper Kieferknochen ab, weil die Abwehrreaktion auch das eigene Gewebe angreift. Der Zahn verliert an Halt, beginnt zu wackeln und kann im Endstadium verloren gehen. Wann ein wackelnder Zahn noch zu retten ist, hängt vom verbliebenen Knochen ab.
Die Tragweite zeigt die Sechste Deutsche Mundgesundheitsstudie aus dem Jahr 2025: Bei 85 Prozent der jüngeren Seniorinnen und Senioren zwischen 65 und 74 Jahren stellten die Untersucher eine Parodontalerkrankung fest. Die Studie verweist zudem auf den Zusammenhang zwischen Parodontitis und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Auch bei Diabetes wirkt die Verbindung in beide Richtungen: Eine unbehandelte Parodontitis erschwert die Einstellung des Blutzuckers.
Warum verursachen Konkremente keine Schmerzen?
Parodontitis verläuft über Jahre schmerzlos. Die Entzündung breitet sich langsam aus, und der Knochenabbau selbst löst keinen Schmerz aus. Erst in späten Stadien kommen Beschwerden hinzu, etwa ein Abszess in einer tiefen Tasche oder ein Zahn, der beim Kauen nachgibt.
Verbreitet ist die Annahme, dass etwas nicht schlimm sein kann, solange es nicht wehtut. Beim Zahnhalteapparat, also dem System aus Zahnfleisch, Fasern und Knochen, das den Zahn verankert, trifft das nicht zu. Die stille Phase ist genau die Zeit, in der sich der Schaden noch begrenzen lässt.
Anzeichen: Woran Sie Zahnstein unter dem Zahnfleisch erkennen
Sehen können Sie Konkremente selbst nicht. Die Veränderungen, die sie begleiten, fallen aber auf, wenn Sie darauf achten. Keines dieser Zeichen beweist für sich allein eine Parodontitis. Treten mehrere zusammen auf oder bestehen sie über Wochen, sollten Sie das Zahnfleisch untersuchen lassen. Achten Sie besonders auf folgende Veränderungen:
- Zahnfleisch, das beim Putzen oder bei der Reinigung mit Zahnseide blutet
- gerötetes, geschwollenes oder bläulich verfärbtes Zahnfleisch statt blassrosa Farbe
- anhaltender Mundgeruch oder ein unangenehmer Geschmack, der trotz Putzen bleibt
- Zahnfleisch, das sich zurückzieht, sodass die Zähne länger wirken
- neue Lücken zwischen den Zähnen oder Zähne, die ihre Stellung verändern
- ein lockerer Zahn oder ein verändertes Gefühl beim Zusammenbeißen
- Eiter, der sich bei Druck auf das Zahnfleisch zeigt
Das erste Zeichen ist zugleich das wichtigste. Gesundes Zahnfleisch blutet nicht. Wer regelmäßig Blut im Waschbecken sieht, hat eine Entzündung, auch wenn sie nicht wehtut. Mehr zu diesem Warnsignal lesen Sie im Beitrag über Zahnfleischbluten beim Zähneputzen. Der Mundgeruch entsteht durch Schwefelverbindungen, die Bakterien in tiefen Taschen freisetzen. Wie Sie ihn von anderen Ursachen unterscheiden, erklärt der Beitrag zu Mundgeruch und seinen Ursachen.
So findet der Zahnarzt die verborgenen Ablagerungen
Das wichtigste Werkzeug ist eine feine Sonde mit Millimeterskala. Der Zahnarzt führt sie sanft in den Spalt zwischen Zahn und Zahnfleisch und misst, wie tief sie eindringt. Gleichzeitig ertastet er mit der Sondenspitze raue Stellen an der Wurzel. Konkremente fühlen sich an wie Sandkörner auf glattem Glas.
Im Rahmen der Kontrolluntersuchung nutzen Zahnärzte in Deutschland den Parodontalen Screening-Index, kurz PSI. Er teilt das Gebiss in sechs Abschnitte und vergibt für jeden einen Wert von 0 bis 4. Code 0 steht für gesundes Zahnfleisch, Code 1 für Blutung. Code 2 bedeutet, dass die Sonde Zahnstein oder überstehende Füllungsränder ertastet, die Taschentiefe aber noch unter 3,5 Millimetern liegt. Code 3 zeigt Taschen zwischen 3,5 und 5,5 Millimetern, Code 4 noch tiefere Taschen. Ab Code 3 besteht Behandlungsbedarf.
Röntgenbilder ergänzen die Messung. Größere Konkremente zeichnen sich als kleine Zacken an der Wurzel ab. Wichtiger ist, was das Bild über den Knochen verrät: Wie weit hat er sich zurückgezogen, und verläuft der Abbau gleichmäßig oder als tiefer Trichter an einzelnen Zähnen? Ein strukturiertes Vorgehen aus Befragung, Messung und Bild beschreibt die 5-Stufen-Diagnose unserer Klinik.
Entfernung: Wie Zahnärzte Konkremente beseitigen
Für Zahnstein unter dem Zahnfleisch genügt keine gewöhnliche Zahnreinigung. Die Entfernung ist Teil einer Parodontalbehandlung, die in Deutschland der S3-Leitlinie zur Behandlung der Parodontitis folgt. Die Deutsche Gesellschaft für Parodontologie hat sie 2020 auf Grundlage der Empfehlungen der European Federation of Periodontology veröffentlicht.
Vor der eigentlichen Behandlung steht eine Vorbereitungsphase. Das Praxisteam entfernt sichtbare Beläge und sichtbaren Zahnstein, glättet überstehende Füllungsränder und zeigt Ihnen, wie Sie die Zahnzwischenräume reinigen. Diese Phase klingt banal. Sie senkt die Entzündung aber so weit, dass die nachfolgende Behandlung besser anschlägt.
Danach folgt die subgingivale Instrumentierung, früher als Scaling und Wurzelglättung bekannt. Unter örtlicher Betäubung reinigt der Zahnarzt jede Tasche einzeln. Er arbeitet mit Ultraschallgeräten, deren schwingende Spitze die Konkremente absprengt, und mit Handinstrumenten, den sogenannten Küretten. Die bekanntesten Modelle sind die Gracey-Küretten, deren gebogene Klingen jeweils für bestimmte Zahnflächen geformt sind. Das Ziel: eine saubere, glatte Wurzeloberfläche, an die sich das Zahnfleisch wieder anlegen kann. Je nach Befund verteilt sich die Behandlung auf eine oder mehrere Sitzungen.
Etwa drei Monate später misst der Zahnarzt die Taschen erneut. Bei den meisten Patienten sind sie deutlich flacher geworden, und das Zahnfleisch blutet nicht mehr. Verbleiben tiefe Taschen, kommen weitere Schritte infrage, bis hin zu einem chirurgischen Eingriff, bei dem der Zahnarzt die Wurzel unter Sicht reinigt. Wie eine Zahntaschenreinigung im Einzelnen abläuft, beschreibt ein eigener Beitrag.
Tut die Entfernung der Konkremente weh?
Während der Behandlung spüren Sie dank der Betäubung keinen Schmerz, nur Vibration und Druck. Nach Abklingen der Betäubung kann das Zahnfleisch für ein bis drei Tage empfindlich sein. Die Zähne reagieren in den ersten Wochen manchmal stärker auf Kälte, weil die gereinigten Wurzelflächen frei liegen.
Diese Empfindlichkeit geht in den meisten Fällen innerhalb weniger Wochen zurück. Eine Zahnpasta für empfindliche Zähne und lauwarme Getränke erleichtern die Übergangszeit. Rezeptfreie Schmerzmittel genügen, falls überhaupt nötig.
Warum reicht eine professionelle Zahnreinigung nicht aus?
Die professionelle Zahnreinigung, kurz PZR, entfernt Beläge und Zahnstein oberhalb des Zahnfleischrands und nur wenige Millimeter darunter. Sie ist eine Vorsorgemaßnahme für gesundes oder leicht entzündetes Zahnfleisch. In tiefen Taschen erreicht sie die Konkremente nicht, und ohne Betäubung wäre eine gründliche Reinigung dort auch nicht zumutbar.
Das gilt allerdings nur für bereits bestehende Taschen. Für Patienten mit gesundem Zahnfleisch ist die PZR genau das richtige Mittel, um Konkremente gar nicht erst entstehen zu lassen. Was Sie bei einer regulären Zahnsteinentfernung erwartet, erklärt der verlinkte Beitrag.
Vorbeugen: So verhindern Sie neuen Zahnstein in der Tiefe
Nach einer Parodontalbehandlung beginnt die wichtigste Phase. Die Leitlinie sieht eine unterstützende Parodontitistherapie vor, eine regelmäßige Nachsorge in Abständen von drei bis zwölf Monaten, abhängig vom Risiko. Das Praxisteam misst die Taschen, entfernt neue Beläge und prüft, ob die Entzündung zurückkehrt. Ohne diese Nachsorge bilden sich Konkremente innerhalb weniger Monate neu.
Zu Hause zählt die Reinigung am Zahnfleischrand. Setzen Sie die Zahnbürste im Winkel von 45 Grad zum Zahnfleisch an und reinigen Sie täglich die Zwischenräume mit Interdentalbürsten. Nach einer Parodontitis sind die Zwischenräume meist weiter geworden, sodass Zahnseide allein nicht mehr ausreicht. Elektrische Zahnbürsten mit Andruckkontrolle helfen, gründlich und trotzdem schonend zu putzen.
Wer raucht, profitiert vom Aufhören mehr als von jeder anderen Maßnahme. Rauchen zählt zu den stärksten Risikofaktoren für Parodontitis und verschlechtert die Heilung nach der Behandlung. Ein gut eingestellter Blutzucker wirkt in die gleiche Richtung. Zahnfleisch, das sich bereits zurückgezogen hat, wächst nicht von selbst nach. Wie Sie Zahnfleischrückgang stoppen, lesen Sie im verlinkten Beitrag.
Kernfakten im Überblick
| Aspekt | Wesentliches |
|---|---|
| Definition | Dunkle, harte Ablagerungen an der Zahnwurzel unterhalb des Zahnfleischrands, auch Konkremente genannt |
| Entstehung | Aus Mineralien der Flüssigkeit entzündeter Zahnfleischtaschen, die Farbe stammt von Blutbestandteilen |
| Folgen | Dauerhafte Entzündung, tiefere Taschen, Knochenabbau und im Endstadium Zahnverlust |
| Diagnose | Messung der Taschentiefe mit der Sonde, Parodontaler Screening-Index und Röntgenbild |
| Entfernung | Subgingivale Instrumentierung unter Betäubung mit Ultraschall und Küretten, danach regelmäßige Nachsorge |
Fazit
Zahnstein unter dem Zahnfleisch ist kein kosmetisches Problem. Er entsteht in entzündeten Zahnfleischtaschen, haftet fest an der Wurzel und hält die Parodontitis dauerhaft in Gang. Weil er weder sichtbar ist noch schmerzt, bleibt er über Jahre unbemerkt, während der Kieferknochen Millimeter für Millimeter schwindet.
Die gute Nachricht: Eine gezielte Parodontalbehandlung entfernt die Konkremente gründlich, und in den meisten Fällen beruhigt sich das Zahnfleisch danach deutlich. Den Erfolg sichern die regelmäßige Nachsorge und eine sorgfältige Reinigung der Zwischenräume zu Hause.
Nehmen Sie Zahnfleischbluten deshalb ernst, auch wenn es nicht wehtut. Ein kurzer Check mit der Sonde bei der nächsten Kontrolle zeigt, ob sich unter dem Zahnfleisch etwas festgesetzt hat.
Häufig gestellte Fragen zum Thema „Zahnstein unter dem Zahnfleisch“
Kann man Zahnstein unter dem Zahnfleisch selbst entfernen?
Nein. Konkremente sitzen in Zahnfleischtaschen, die mehrere Millimeter tief sein können, und haften fest an der Wurzeloberfläche. Kein Hausmittel und kein Gerät für den Heimgebrauch erreicht sie. Zahnsteinkratzer aus dem Internet können dagegen das Zahnfleisch verletzen, Bakterien tiefer in die Tasche schieben und die Wurzeloberfläche zerkratzen, was die Anlagerung neuer Beläge begünstigt. Auch Backpulver oder Essig lösen verkalkte Ablagerungen nicht auf, sondern greifen eher den Zahnschmelz an.
Selbst gegen sichtbaren Zahnstein oberhalb des Zahnfleischs helfen Hilfsmittel wie ein Zahnsteinradierer nur begrenzt. Was Sie zu Hause tun können, ist die Neubildung von Plaque verhindern. Die Entfernung bestehender Konkremente gehört in die Hände eines Zahnarztes oder einer speziell ausgebildeten Dentalhygienikerin, die unter Betäubung und mit passenden Instrumenten arbeiten.
Wie schnell bilden sich Konkremente nach der Behandlung neu?
Das hängt vor allem von der Mundhygiene und der Nachsorge ab. Bleibt die Entzündung aus, weil Sie die Zahnfleischränder und Zwischenräume täglich sauber halten, bildet sich kaum neuer Zahnstein in der Tiefe. Konkremente entstehen nur in entzündeten Taschen. Ohne Entzündung fehlt die mineralhaltige Flüssigkeit, aus der sie wachsen.
Kehrt die Entzündung zurück, etwa weil die Zwischenraumreinigung einschläft oder die Nachsorgetermine ausfallen, können sich innerhalb einiger Monate neue Ablagerungen bilden. Aus diesem Grund legt der Zahnarzt nach einer Parodontitis feste Kontrollintervalle fest. Wer diese Termine einhält, hat gute Chancen, die erreichten Verbesserungen über Jahre zu halten.
Warum wirken die Zähne nach der Entfernung länger?
Vor der Behandlung ist das entzündete Zahnfleisch geschwollen und verdeckt einen Teil der Wurzel. Nach der Entfernung der Konkremente klingt die Schwellung ab, und das Zahnfleisch strafft sich. Dabei zieht es sich um einen oder zwei Millimeter zurück. Die Zähne wirken länger, und zwischen den Zähnen können kleine dunkle Dreiecke sichtbar werden, wo vorher Zahnfleisch lag.
Diese Veränderung ist kein Behandlungsfehler, sondern ein Zeichen der Heilung. Das Zahnfleisch zeigt jetzt den tatsächlichen Stand des Knochens, den die Schwellung vorher kaschiert hat. An den Frontzähnen lässt sich das optische Ergebnis bei Bedarf später verbessern, etwa mit zahnfarbenem Kunststoff an den Zahnhälsen oder in ausgewählten Fällen mit einer chirurgischen Deckung freiliegender Wurzeln.
Bilden sich solche Ablagerungen auch an Implantaten?
Ja. Auch an Implantaten sammelt sich Belag, und am Übergang zwischen Implantat und Zahnfleisch können sich harte Ablagerungen bilden. Die Entzündung, die daraus entsteht, heißt Periimplantitis. Sie verläuft ähnlich wie eine Parodontitis, kann aber schneller fortschreiten, weil einem Implantat die schützenden Fasern des natürlichen Zahnhalteapparats fehlen. Der Knochen um das Implantat baut sich ab, und im schlimmsten Fall geht es verloren.
Wer Implantate trägt, braucht deshalb dieselbe Sorgfalt wie bei natürlichen Zähnen, dazu regelmäßige Kontrollen mit Sondierung der Implantate. Die Reinigung erfolgt mit Instrumenten aus Kunststoff oder Titan, damit die Implantatoberfläche nicht zerkratzt. Vor einer Versorgung mit Zahnimplantaten sollte eine bestehende Parodontitis immer zuerst behandelt sein.
Warum bemerken Raucher eine Parodontitis später?
Nikotin verengt die Blutgefäße im Zahnfleisch. Das entzündete Gewebe blutet dadurch weniger, obwohl die Entzündung in der Tiefe fortschreitet. Das wichtigste Warnsignal fehlt. Raucher sehen beim Zähneputzen kein Blut und halten ihr Zahnfleisch für gesund, während sich unter der Oberfläche bereits Taschen und Konkremente gebildet haben. Das Zahnfleisch wirkt eher blass und derb als rot und geschwollen.
Hinzu kommt, dass Rauchen die Heilung nach einer Parodontalbehandlung verschlechtert. Die Taschen werden nach der Reinigung weniger flach als bei Nichtrauchern. Raucher sollten ihr Zahnfleisch deshalb nicht nach der Blutung beurteilen, sondern regelmäßig beim Zahnarzt die Taschentiefe messen lassen. Ein Rauchstopp verbessert die Heilungsaussichten messbar, und zwar schon nach wenigen Monaten.
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