Wie sieht Parodontose aus? Symptome und Stadien im Überblick

Präzise Zahnfleischkontrolle am Schneidezahn

Wie sieht Parodontose aus? Typisch sind ein geröteter, geschwollener Zahnfleischsaum, Bluten beim Putzen, länger wirkende Zähne und später lockere Zähne. Dahinter steckt eine chronische Entzündung, die den Halt der Zähne zerstört.

Wie sieht Parodontose aus und was steckt dahinter?

Parodontitis bezeichnet eine chronische bakterielle Entzündung des Zahnhalteapparats, im Alltag oft Parodontose genannt. Zum Parodontium gehören die Gingiva, also die Schleimhaut rund um den Zahnhals, die Wurzelhaut (Desmodont), der Wurzelzement und der Zahnfachknochen. Dieser Alveolarknochen ist der Teil des Kieferknochens, der jede Wurzel wie ein Fach umschließt.

Parodontitis gehört zu den häufigsten Zahn- und Zahnfleischerkrankungen weltweit. Die Weltgesundheitsorganisation schätzte 2022, dass rund eine Milliarde Menschen an einer schweren Form leiden.

Wer im Spiegel nach Anzeichen sucht, sieht nur einen Teil der Erkrankung. Sichtbar sind gerötete Zahnfleischränder, Blutspuren im Waschbecken, später freiliegende Zahnhälse und Lücken zwischen den Zähnen. Unsichtbar bleibt das, was eigentlich zählt: die Vertiefung am Zahnhals und der Schwund des Knochens darunter.

Genau dieser Widerspruch macht sie tückisch. Sie schmerzt lange nicht.

Was unterscheidet die beiden Begriffe?

Streng genommen beschreibt der ältere Begriff einen nicht entzündlichen Schwund des Zahnhalteapparates. Diese Form spielt in der Zahnmedizin kaum eine Rolle. Was Patienten im Alltag meinen, ist so gut wie immer entzündlich. Die Endung „itis“ steht in der Medizin für Entzündung. Im Gespräch verwenden Zahnärztinnen und Zahnärzte beide Wörter, in der Diagnose steht heute der Fachbegriff.

Wie Parodontitis entsteht

Hauptursache der Parodontitis sind bakterielle Beläge. Dieser Zahnbelag, in der Fachsprache Plaque genannt, ist ein klebriger Biofilm aus Hunderten Keimarten, der sich nach jedem Putzen innerhalb weniger Stunden neu bildet.

Bleibt der Belag am Zahnfleischrand liegen, reagiert das Immunsystem. Die Gefäße weiten sich, Abwehrzellen wandern ein, und es kommt zu Rötung und Schwellung. Diese erste Stufe ist die Zahnfleischentzündung. Der Parodontologe Harald Löe zeigte 1965 an der Universität Aarhus in einem bis heute zitierten Experiment, dass gesunde Probanden ohne Mundhygiene innerhalb von etwa zwei bis drei Wochen eine solche Entzündung entwickelten. Nach der Rückkehr zur gewohnten Pflege klang sie vollständig ab.

Ob es von der Gingivitis zur Parodontitis kommt, hängt nicht vom Belag allein ab. Die Entzündungsreaktion des Körpers richtet sich gegen die Bakterien, greift aber auch eigenes Gewebe an. Mit der Zeit löst sich die Verbindung zwischen Zahn und Zahnfleisch, und es entsteht eine Tasche, in der sich vor allem sauerstoffscheue Keime vermehren. Dieser Prozess verläuft schleichend. Je schwächer die Abwehr und je stärker die Belastung durch Risikofaktoren wie Rauchen, desto rascher schreitet der Abbau des Zahnhalteapparats fort und führt langfristig zum Zahnverlust.

Gesundes Zahnfleisch im direkten Vergleich

Ein Vergleich hilft beim Einordnen. Gesunde Gingiva ist blassrosa, straff und an der Oberfläche fein gestippelt, ähnlich einer Orangenschale. Sie umschließt jeden Zahn wie eine Girlande und füllt mit spitz zulaufenden Papillen die Zwischenräume aus. Beim Putzen blutet sie nicht. Die Merkmale eines gesunden Zahnfleischsaums sind der Maßstab, an dem Zahnärzte jede Veränderung messen.

Im Krankheitsfall verändert sich dieses Bild schrittweise. Zuerst ist das Zahnfleisch gerötet, später dunkelrot bis bläulich. Der Rand schwillt an und verliert seine Stippelung. Die Oberfläche glänzt. Die Papillen runden sich ab oder ziehen sich zurück, sodass dunkle Dreiecke zwischen den Zähnen entstehen. Das Zahnfleisch geht im weiteren Verlauf zurück und gibt die Wurzeloberfläche frei. Die Zähne wirken dadurch länger.

Eine Einschränkung gehört dazu. Bei Menschen mit dunklerem Hautton kann gesunde Gingiva bräunlich pigmentiert sein. Diese Färbung ist harmlos und kein Krankheitszeichen. Aussagekräftiger als die Farbe allein sind deshalb Schwellung, Glanz, Blutung und die Form des Randes.

So zeigt sich die Krankheit im Anfangsstadium

Wie lässt sich Parodontitis erkennen, bevor es wehtut?

Die ersten Anzeichen wirken unspektakulär und lassen sich leicht als Kleinigkeit abtun. Betroffene bemerken sie abends beim Putzen oder beim Essen und schieben sie auf eine zu harte Bürste oder einen stressigen Monat. Wer die folgenden Veränderungen über mehrere Tage beobachtet, sollte sie ernst nehmen, denn sie gehören zu den frühesten sichtbaren Hinweisen auf eine Entzündung im Zahnfleisch:

  • Zahnfleischbluten beim Putzen, bei der Zahnseide oder beim Biss in einen Apfel
  • ein geschwollener, glänzender Saum am Zahnhals
  • rosafarbener Schaum beim Ausspucken der Zahnpasta
  • ein unangenehmer Geschmack oder anhaltender Mundgeruch
  • druckempfindliche Stellen zwischen den Zähnen

Keines dieser Zeichen beweist für sich genommen etwas. Zusammen ergeben sie aber ein Muster, das eine Untersuchung beim Zahnarzt rechtfertigt. Aufschlussreich ist der Ort: Blutet es immer an denselben Stellen, liegt dort meist eine Nische, in der sich Beläge halten, etwa an einer überstehenden Füllung, einem schief stehenden Zahn oder in den Zahnzwischenräumen der hinteren Backenzähne.

Ein zweites Kriterium ist die Dauer. Eine reine Reizung des Saums klingt nach gründlicher Reinigung innerhalb weniger Tage ab. Bleibt die Blutung bestehen, spricht das für tiefere Veränderungen. Wer eine Parodontitis früh bemerkt, verbessert die Ausgangslage für die Behandlung deutlich.

Warum das Zahnfleisch blutet, obwohl nichts wehtut

Entzündetes Gewebe ist stärker durchblutet, und die feinen Gefäße in der Taschenwand werden durchlässig. Schon leichter Druck der Bürste reicht, damit sie bluten. Nerven reizt die chronische Entzündung dagegen kaum.

Auffällig oft fragen Patienten, warum ihre Zahnärztin einen behandlungsbedürftigen Befund feststellt, obwohl „nichts wehtut“. Die Antwort ist schlicht. Die Erkrankung verläuft in Schüben und überwiegend schmerzfrei. Schmerzen treten in der Regel erst bei Komplikationen auf, zum Beispiel bei einem Parodontalabszess, also einer eitrigen Einschmelzung in einer tiefen Tasche.

Die Stadien der Parodontitis: Einteilung von I bis IV

Seit 2018 gilt eine internationale Klassifikation, die die European Federation of Periodontology (EFP) und die American Academy of Periodontology gemeinsam erarbeitet haben. Sie teilt die Krankheit in vier Schweregrade, Stadium I bis IV genannt, und in drei Grade nach Fortschrittsgeschwindigkeit ein.

Auf dieser Einteilung baut die deutsche S3-Leitlinie zur Therapie der Parodontitis in Stadium I bis III auf (AWMF-Registernummer 083-043). Federführend waren die Deutsche Gesellschaft für Parodontologie (DG PARO) und die Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK). Wie verbreitet die einzelnen Schweregrade sind, zeigt die Sechste Deutsche Mundgesundheitsstudie (DMS 6) des Instituts der Deutschen Zahnärzte. Bei den 35- bis 44-Jährigen fanden die Untersucher nach der neuen Klassifikation in 95,1 Prozent der Fälle einen krankhaften Befund, der Großteil davon in Stadium I und II.

Wie sieht es in Stadium I und II aus?

In Stadium I beträgt der Attachmentverlust, also der Verlust an Befestigung zwischen Wurzel und Knochen, in den Zwischenräumen ein bis zwei Millimeter. Die Taschen sind höchstens vier Millimeter tief. Im Röntgenbild fehlen weniger als 15 Prozent der Knochenhöhe an der Wurzel. Von außen wirkt das Gebiss bis auf Blutung und leichte Schwellung noch unauffällig.

Stadium II beschreibt einen Attachmentverlust von drei bis vier Millimetern und einen Verlust von 15 bis 33 Prozent der Knochenhöhe. Die Taschen erreichen bis zu fünf Millimeter. Jetzt zeigen sich erste sichtbare Folgen: Der Rand weicht an einzelnen Zähnen zurück, freiliegende Zahnhälse reagieren empfindlich auf Kälte, und zwischen den Frontzähnen öffnen sich kleine dunkle Dreiecke. In der DMS 6 war Stadium II mit 46 Prozent bei jüngeren Erwachsenen die verbreitetste Form.

Wie sieht ein fortgeschrittenes Stadium III aus?

Stadium III gilt als schwere Verlaufsform. Der Attachmentverlust liegt bei fünf Millimetern oder mehr, der Knochen ist bis ins mittlere Drittel der Wurzel oder weiter geschwunden, und die Taschen messen sechs Millimeter und tiefer. Bis zu vier Zähne können bereits verloren gegangen sein.

Typisch sind jetzt lockere Zähne, Eiter, der bei Druck aus der Tasche austritt, und deutlich verlängerte Zahnkronen. Bei mehrwurzeligen Backenzähnen legt der Schwund mitunter die Gabelung der Wurzeln frei. Fachleute sprechen vom Furkationsbefall. Mit der Sonde lässt er sich ertasten, mit bloßem Auge erkennt man ihn erst spät.

Wie sieht das Endstadium aus?

Stadium IV unterscheidet sich von Stadium III weniger durch tiefere Taschen als durch die Folgen für das ganze Gebiss. Fünf oder mehr Zähne fehlen bereits, die verbliebenen wandern, kippen oder fächern sich auf. Die oberen Schneidezähne rücken nach vorn und bilden Lücken. Kauen wird mühsam. Der Biss kann absinken, weil stützende Backenzähne fehlen und die übrigen den Kaudruck nicht mehr abfangen.

In dieser Phase geht es nicht mehr allein um das Entzündungsgeschehen. Die Planung verbindet Zahnerhalt, Schienung und Zahnersatz, teils mit Zahnimplantaten, sobald die Situation stabil unter Kontrolle ist. In der DMS 6 zeigten 26,4 Prozent der 65- bis 74-Jährigen ein Stadium IV.

Was bedeuten die Grade A, B und C?

Das Stadium beschreibt, wie viel Halt bereits verloren ist. Der Grad schätzt, wie schnell es weitergeht. Grad A steht für langsames, Grad B für moderates und Grad C für rasches Fortschreiten. Zur Einstufung setzen Zahnärzte den Knochenverlust ins Verhältnis zum Lebensalter und berücksichtigen Risikofaktoren.

Wer zehn oder mehr Zigaretten täglich raucht oder einen Langzeitblutzuckerwert (HbA1c) von sieben Prozent oder höher aufweist, rückt in Grad C. Ein 35-Jähriger mit Stadium II und Grad C braucht deshalb mehr Aufmerksamkeit als ein 70-Jähriger mit Stadium II und Grad A, obwohl beide Gebisse im Spiegel ähnlich aussehen können.

Was Sie im Spiegel nicht sehen: Zahnfleischtaschen und Knochenabbau

Der eigentliche Krankheitsprozess spielt sich unter dem Zahnfleischrand ab. Zwischen Zahn und Gingiva liegt eine schmale Rinne, der Sulkus. Ist der Zahnhalteapparat gesund, lässt sich eine Messsonde dort ein bis drei Millimeter tief einführen.

Im Krankheitsfall wird aus der Rinne eine Zahnfleischtasche. In dieser sauerstoffarmen Nische vermehren sich Bakterien, die keine Bürste mehr erreicht. Harte Ablagerungen setzen sich als Zahnstein unterhalb des Zahnfleischrands an der Wurzel fest und halten den Reiz aufrecht.

Die körpereigene Abwehr schädigt dort auch Fasern der Wurzelhaut, und knochenabbauende Zellen tragen den Zahnfachknochen Schicht für Schicht ab. Diese Zerstörung verläuft nicht gleichmäßig. Ruhephasen wechseln mit aktiven Schüben, und zwischen benachbarten Zähnen können die Befunde stark voneinander abweichen.

In der Praxis zeigt sich allerdings ein typisches Bild, das Patienten regelmäßig überrascht: Ausgerechnet bei festem, kaum verändertem Saum finden sich teils sieben Millimeter tiefe Taschen an den hinteren Backenzähnen. Die Gingiva sieht gut aus. Der Knochen nicht.

Wie läuft die Untersuchung beim Zahnarzt ab?

Die Diagnose der Parodontitis erfolgt in zwei Schritten. Am Anfang steht der Parodontale Screening-Index (PSI). Mit einer feinen Sonde, deren farbige Markierung zwischen 3,5 und 5,5 Millimetern liegt, tastet die Praxis jeden Zahn ab und vergibt pro Gebissabschnitt einen Code von 0 bis 4. Code 3 steht für Taschen von 3,5 bis 5,5 Millimetern, Code 4 für Taschen über 5,5 Millimeter. Der PSI dauert wenige Minuten.

Ergibt sich ein Verdacht, folgt ein vollständiger Parodontalstatus. Gemessen werden die Taschentiefe an mehreren Stellen jedes Zahns, die Blutung, die Lockerung und der Furkationsbefall. Röntgenaufnahmen zeigen, wie hoch der Kieferknochen noch an die Wurzeln heranreicht. Erst aus diesen Daten ergeben sich Stadium und Grad. Rund 600 Mal im Monat suchen Menschen in Deutschland nach Bildern zu dieser Krankheit. Ein Foto ersetzt die Messung trotzdem nicht.

Folgen für den ganzen Körper

Das Geschehen bleibt nicht auf den Mund beschränkt. Über die entzündete Taschenwand gelangen Bakterien und Botenstoffe in die Blutbahn. Fachliche Schätzungen gehen bei ausgeprägten Befunden von 8 bis 20 Quadratzentimetern offener Wundfläche im Mund aus. Die Forschung bringt eine schwere Parodontitis in Verbindung mit Herz-Kreislauf-Leiden und Stoffwechselerkrankungen.

Am besten untersucht ist das Zusammenspiel mit dem Blutzucker. Begleitleiden einer Parodontitis wie zum Beispiel Diabetes verschlechtern den Verlauf, und umgekehrt erschwert eine unbehandelte Parodontitis die Einstellung des Blutzuckers. Laut DG PARO ist das Risiko für eine Parodontitis bei Menschen mit Zuckerkrankheit etwa dreifach erhöht.

Für das Herz kam ein gemeinsamer Workshop der EFP und der World Heart Federation 2019 in Madrid zu dem Schluss, dass Parodontitis mit einem erhöhten Risiko für arteriosklerotische Gefäßleiden einhergeht. Ob eine Therapie dieses Risiko senkt, ist noch nicht abschließend geklärt. Patienten mit beiden Leiden profitieren aber von engmaschiger Kontrolle. Für Schwangere wird ein Zusammenhang mit Frühgeburten diskutiert, die Datenlage dazu ist allerdings uneinheitlich. Schmerzfreiheit im Mund sagt über all diese Fragen wenig aus.

Typische Fehleinschätzungen aus der Praxis

Rund um das Thema Parodontitis halten sich hartnäckige Irrtümer. Verbreitet ist die Annahme, dass Blutungen beim Putzen von zu festem Druck stammen und man die betroffenen Stellen schonen sollte. Das Gegenteil trifft zu. Blutende Stellen reagieren auf Beläge, und wer sie meidet, lässt dort noch mehr Keime zurück. Liegt kein tieferer Befund vor, beruhigt sich der Saum nach gründlicher Reinigung innerhalb weniger Tage.

Ein häufiger Irrtum betrifft das Alter. Lockere Zähne gelten im Volksmund als normale Alterserscheinung. Sie sind es nicht. Gesunde Zähne bleiben auch mit 80 Jahren fest im Knochen verankert. Die Längsschnittdaten der DMS 6 zeigen, wann die Krankheit tatsächlich Fahrt aufnimmt: Von den 35- bis 44-Jährigen, die zu Beginn parodontal gesund waren, erkrankten innerhalb von neun Jahren 63 Prozent.

Ein dritter Punkt betrifft das Gefühl, die Zähne hätten sich „verschoben“. Patienten merken, dass ein Speiserest plötzlich zwischen zwei Zähnen hängen bleibt, wo vorher keiner hing, oder dass sich der Biss anders anfühlt. Solche Veränderungen sind kein kosmetisches Detail. Sie können auf Knochenverlust hindeuten und gehören in fachkundige Hände.

Vorbeugen: Was gute Mundhygiene leisten kann

Zähneputzen allein reicht nicht. Die Bürste erreicht Außen-, Innen- und Kauflächen, die Krankheit beginnt aber bevorzugt in den Zwischenräumen. Laut DMS 6 reinigt nur rund ein Viertel der jüngeren Erwachsenen diese Bereiche täglich mit Zahnseide oder Zwischenraumbürsten.

Ergänzend kommt die professionelle Zahnreinigung in der Praxis hinzu. Sie entfernt harte Ablagerungen und Biofilm auch an Stellen, die zu Hause unerreichbar bleiben. Wie oft sie sinnvoll ist, hängt vom persönlichen Risiko ab und reicht von einem Termin pro Jahr bis zu mehreren. Rauchstopp und ein gut eingestellter Blutzucker senken das Risiko zusätzlich.

Bei Zahnseide und kleinen Zwischenraumbürsten kommt es auf die Größe an. Ein zu dünnes Bürstchen reinigt kaum, ein zu dickes verletzt die Papille. In der Praxis lässt sich die passende Größe in wenigen Minuten bestimmen. Das lohnt sich, denn falsch gewählte Hilfsmittel landen erfahrungsgemäß schnell in der Schublade.

Gute Pflege verhindert nicht jede Erkrankung. Sie verschiebt die Chancen aber spürbar zu Ihren Gunsten.

Wann sollten Sie zum Zahnarzt?

Lassen Sie Ihr Zahnfleisch untersuchen, wenn es länger als eine Woche bei der Reinigung blutet.

Das gilt umso mehr, wenn weitere Zeichen hinzukommen: ein zurückweichender Saum, schlechter Atem trotz gründlicher Pflege, Eiter am Rand oder Zähne, die sich lockerer anfühlen als früher. Wer mehrere dieser Punkte bei sich beobachtet, sollte den Termin nicht bis zur nächsten Routinekontrolle aufschieben. Ein kurzer Anruf in der Praxis klärt in solchen Fällen schnell, wie dringend ein Termin ist. Besprechen Sie Fragen zu Parodontitis am besten direkt mit Ihrer Zahnärztin oder Ihrem Zahnarzt.

Rauchende, Schwangere, Menschen mit Zuckerkrankheit und Menschen mit familiärer Vorbelastung behalten ihre Mundgesundheit besser besonders genau im Blick. Für sie lohnt sich bei jedem Kontrolltermin die Frage nach dem PSI.

Stellen Sie sich eine 42-jährige Raucherin vor, die kaum Blutungen bemerkt, wohl aber, dass sich zwischen zwei unteren Schneidezähnen eine schmale Lücke öffnet. Schmerzen hat sie keine. Genau solche leisen Veränderungen verdienen trotzdem einen zeitnahen Termin.

So läuft die Therapie ab

Bestätigt sich der Verdacht, beginnt eine strukturierte Parodontalbehandlung. Grundlage der systematischen Behandlung von Parodontitis ist in Europa die Leitlinie der EFP. Ziel ist, die Entzündung zu stoppen und den verbliebenen Halt zu sichern.

Die Therapie folgt festen Stufen. Zuerst stehen Mundhygieneschulung, professionelle Belagentfernung und das Entfernen von Zahnstein oberhalb des Randes. Dann reinigt das Praxisteam die Wurzeloberflächen in den Taschen. Bleiben tiefe Taschen bestehen, kommen chirurgische Eingriffe infrage. Anschließend folgt eine dauerhafte Nachsorge in festen Abständen.

Wie lange die aktive Phase dauert, hängt vom Befund ab. Zwischen der Reinigung der Taschen und der ersten Nachkontrolle liegen etwa sechs bis zwölf Wochen, damit die Taschen ausheilen können. Die Nachsorge, Fachleute nennen sie unterstützende Parodontitistherapie, findet je nach persönlichem Risiko alle drei bis zwölf Monate statt.

In der Zahnheilkunde gilt: Ohne Mitarbeit zu Hause bleibt jede zahnärztliche Behandlung Stückwerk. Bei konsequenter Therapie und Nachsorge lässt sich die Krankheit in der Regel zum Stillstand bringen. Verlorener Knochen wächst meist nicht nach.

Kernfakten im Überblick

Aspekt Wesentliches
Typisches Erscheinungsbild Geröteter, geschwollener, glänzender Saum mit Blutung beim Putzen, später freiliegende Wurzeloberflächen, Lücken und lockere Zähne
Frühes Warnzeichen Blutung ohne Schmerzen, die trotz gründlicher Reinigung länger als eine Woche anhält
Schweregrade Vier Stufen nach der Klassifikation von 2018, von der initialen Form (Stadium I) bis zu Zahnverlust und gestörter Kaufunktion (Stadium IV)
Diagnose Messung der Taschentiefe mit dem PSI, bei Verdacht vollständiger Befund mit Röntgenaufnahmen
Verbreitung Laut DMS 6 betroffen: 95,1 Prozent der 35- bis 44-Jährigen, schwere Formen bei 52,7 Prozent der 65- bis 74-Jährigen

Fazit

Wie sieht Parodontose aus? Am Anfang unscheinbar: etwas Blut beim Putzen, ein geröteter Saum, vielleicht ein schlechter Geschmack im Mund. Erst in Stadium III und IV wird die Krankheit für jeden sichtbar, mit verlängerten, wandernden und lockeren Zähnen. Zu diesem Zeitpunkt ist ein Teil des Knochens bereits dauerhaft verloren.

Der Blick in den Spiegel liefert deshalb einen Hinweis, keine Diagnose. Verlässlich ist allein die Messung der Zahnfleischtaschen in der Praxis. Je früher diese Messung stattfindet, desto größer ist der Spielraum für den Erhalt der eigenen Zähne. Die Daten der DMS 6 legen nahe, dass die Krankheit zwischen 30 und 50 Jahren am stärksten voranschreitet. Genau dort lohnt sich Aufmerksamkeit.

Häufig gestellte Fragen zum Thema „Wie sieht Parodontose aus?“

Ist Parodontitis ansteckend?

Im klassischen Sinn nicht, so wie etwa eine Grippe. Die beteiligten Keime lassen sich jedoch über Speichel übertragen, etwa beim Küssen oder über gemeinsam benutztes Besteck. Ob daraus eine Erkrankung entsteht, hängt von der Abwehrlage des Empfängers, seiner Pflege und Einflüssen wie Rauchen oder einer Zuckerkrankheit ab. Die Übertragung der Keime allein löst die Krankheit nicht aus.

Sinnvoll ist trotzdem, dass sich Partner eines Betroffenen ebenfalls untersuchen lassen. Ein unbehandelter Partner kann die Keimbelastung im Mund des anderen nach einer abgeschlossenen Therapie erneut erhöhen und den Erfolg gefährden.

Kann die Krankheit trotz guter Zahnpflege entstehen?

Ja, das kommt vor. Gründliches Putzen senkt das Risiko deutlich, schließt Probleme am Parodont aber nicht aus. Zwillingsstudien aus den USA um den Forscher Bryan Michalowicz kamen im Jahr 2000 zu dem Ergebnis, dass rund die Hälfte der Anfälligkeit für chronische Verläufe erblich bedingt ist. Rauchen, eine Zuckerkrankheit, anhaltender Stress und hormonelle Umstellungen verschieben das Gleichgewicht weiter.

Wer gründlich putzt und trotzdem betroffen ist, hat deshalb nicht zwingend etwas falsch gemacht. Für diese Menschen zählen engere Kontrollabstände mehr als noch gründlicheres Putzen.

Verbirgt Rauchen die Anzeichen?

Ja, und das macht Rauchen für die Früherkennung so problematisch. Nikotin verengt die Blutgefäße der Gingiva. Das Gewebe wirkt dadurch blasser und fester und blutet beim Putzen weniger, obwohl sich darunter tiefe Taschen bilden. Rauchende schließen aus dem fehlenden Bluten auf gesunde Verhältnisse und kommen deshalb im Schnitt mit schwereren Befunden in die Praxis.

Nach einem Rauchstopp blutet es vorübergehend sogar stärker. Das ist kein Rückschritt, sondern ein Zeichen, dass die Durchblutung zurückkehrt und der vorhandene Reizzustand sichtbar wird. Wer in dieser Phase aufgibt, weil es plötzlich blutet, zieht den falschen Schluss.

Kann sich der Knochen nach einer Therapie zurückbilden?

Gleichmäßig verlorener Knochen, der sich über viele Zähne hinweg abgebaut hat, wächst in der Regel nicht nach. Ziel ist dort, den Abbau zu bremsen und den verbliebenen Halt zu sichern. Taschen können nach der Therapie trotzdem flacher werden, weil der Saum abschwillt und sich straffer an die Wurzel anlegt.

Anders sieht es bei bestimmten senkrechten Knochendefekten neben einzelnen Zähnen aus. Hier setzen Parodontologen regenerative Verfahren mit Membranen, Knochenersatzmaterial oder Proteinen aus der Zahnentwicklung ein, um verlorene Strukturen teilweise wieder aufzubauen. Ob ein Defekt dafür geeignet ist, entscheidet der Befund im Röntgenbild.

Gibt es das auch an Zahnimplantaten?

Ja, die Entsprechung heißt Periimplantitis. Gemeint ist ein entzündlicher Prozess rund um ein Implantat, der den umgebenden Knochen abbaut. Seine Vorstufe, die periimplantäre Mukositis, betrifft nur die Schleimhaut und ist noch umkehrbar. Eine Übersichtsarbeit von Derks und Tomasi aus dem Jahr 2015 schätzte die Verbreitung der Periimplantitis auf rund 22 Prozent der Implantatpatienten.

Das Erscheinungsbild ähnelt dem an eigenen Zähnen: gerötete Schleimhaut, Blutung, Schwellung des Zahnfleisches und manchmal Eiter. Ein Unterschied ist tückisch. Ein Implantat lockert sich erst, wenn der Knochen fast vollständig verloren ist. Menschen mit parodontaler Vorgeschichte tragen ein höheres Risiko und profitieren besonders von regelmäßiger Nachsorge.

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