Eine Gesichtsveränderung durch Zahnprothese bezeichnet das schleichende Einfallen von Lippen und Wangen, weil unter der Prothese der Knochen schwindet. Implantate belasten den Knochen wieder und bremsen diesen Abbau.
Wenn das eigene Spiegelbild fremd wirkt
Der erste Hinweis kommt selten aus der Zahnarztpraxis. Meist ist es ein Familienfoto. Die Oberlippe wirkt schmaler, die Mundwinkel hängen tiefer, das Kinn scheint näher an die Nase gerückt. Der Sitz ist noch halbwegs in Ordnung, das Essen klappt. Trotzdem stimmt etwas nicht.
Hinter diesem Eindruck steckt selten ein Fehler der Prothese allein. Meist läuft ein biologischer Vorgang ab, den keine aufliegende Versorgung aufhalten kann: Sobald die Zähne fehlen, verliert der Kieferknochen seinen wichtigsten Reiz und baut sich Jahr für Jahr ein Stück weiter ab. Lippen, Wangen und Kinn verlieren damit ihr Fundament.
Wer eine Gesichtsveränderung durch Zahnprothese früh erkennt, kann früher reagieren. Die folgenden Abschnitte zeigen, wie viel Substanz tatsächlich verloren geht, welche Merkmale im Gesicht typisch sind und wann Zahnimplantate eine echte Alternative darstellen. Zwei Themen erhalten mehr Raum als die übrigen: die Fehler im Umgang mit einer bestehenden Prothese und die Frage, wie viele künstliche Wurzeln nötig sind.
Gesichtsveränderung durch Zahnprothese: Was im Knochen passiert
Der Knochenwall, in dem die Zahnwurzeln stecken, heißt in der Fachsprache Alveolarfortsatz. Er existiert nur wegen der Zähne. Mit jedem Biss leiten die Wurzeln Druck in diesen Knochen. Der Körper registriert diesen Reiz und hält die Knochensubstanz aufrecht. Fehlt die Wurzel, ändert sich das. Fehlend ist dann nicht nur der Zahn, sondern auch das Signal an den Knochen.
Der Berliner Chirurg Julius Wolff beschrieb das Prinzip bereits 1892. Knochen passt seine Form der Last an, die er tragen muss. Was der Körper nicht beansprucht, baut er ab. Eine herkömmliche Prothese ändert daran wenig. Sie liegt auf dem Zahnfleisch und drückt flächig von oben auf den Kieferkamm, statt die Kraft wie eine Wurzel in die Tiefe zu leiten. Liegt sie ungleichmäßig auf, beschleunigt der punktuelle Druck den Abbau des Kieferknochens sogar.
Für das Gesicht hat das Folgen. Zähne und Knochen bilden das Gerüst, über das sich Lippen und Wangen spannen. Schrumpft dieses Gerüst, sinkt das Weichgewebe nach innen. Eine Gesichtsveränderung durch Zahnprothese ist deshalb streng genommen eine Folge des Zahnverlusts, den die Prothese nur teilweise ausgleicht.
Wie schnell schwindet der Knochen nach dem Zahnverlust?
Am schnellsten verläuft der Abbau direkt nach dem Ziehen. Eine Arbeitsgruppe um den dänischen Forscher Lars Schropp vermaß 2003 die Kieferkämme von Patienten über zwölf Monate. Die Breite des Knochens nahm in diesem Zeitraum um bis zu 50 Prozent ab. Zwei Drittel dieses Verlusts entstanden schon in den ersten drei Monaten.
Danach verlangsamt sich der Prozess. Er endet aber nicht. Langzeitbeobachtungen an Trägern totaler Prothesen über 25 Jahre, darunter die Arbeit der Prothetikerin Aune Tallgren von 1972, belegen einen fortlaufenden Verlust. Schwedische Untersuchungen von Bergman und Carlsson zeigten, dass der vordere untere Kieferabschnitt etwa viermal so stark betroffen ist wie der Oberkiefer. Das erklärt, warum sich gerade die untere Gesichtshälfte sichtbar verändert und warum untere Vollprothesen mit den Jahren immer schlechter halten.
Woran Sie die Veränderung im Gesicht erkennen
Die Zeichen entwickeln sich über Jahre und fallen im Alltag deshalb kaum auf. Angehörige bemerken sie meist früher als die Betroffenen selbst. Umgangssprachlich ist vom „Prothesengesicht“ die Rede, unabhängig vom tatsächlichen Alter der Person. Bei einer Gesichtsveränderung durch Zahnprothese treten folgende Merkmale typischerweise gemeinsam auf und verstärken sich mit den Jahren gegenseitig, weil sie alle auf denselben Verlust an Knochenvolumen zurückgehen:
- Eingefallene Oberlippe: Das Lippenrot wird schmal, die Oberlippe wirkt nach innen gezogen.
- Tiefere Nasolabialfalten: Die Falte zwischen Nasenflügel und Mundwinkel gräbt sich tiefer ein.
- Hängende Mundwinkel: Der Ausdruck wirkt dauerhaft verstimmt, auch bei entspannter Mimik.
- Verkürztes unteres Gesichtsdrittel: Der Abstand zwischen Nasenspitze und Kinn nimmt ab.
- Vorgeschobenes Kinn: Beim Zubeißen wandert das Kinn weiter nach vorne und oben.
- Eingerissene Mundwinkel: In den tiefen Falten sammelt sich Speichel, die Haut weicht auf und entzündet sich leichter.
Einzeln betrachtet wirken diese Merkmale wie gewöhnliche Alterszeichen. Ihre Kombination verrät jedoch die Ursache. Ein brauchbarer Hinweis: Konzentrieren sich die Veränderungen auf die Region um die Lippen, während Stirn und Augenpartie kaum gealtert wirken, liegt der Grund meist im fehlenden Fundament und nicht in der Haut. Cremes oder Faltenbehandlungen setzen an der falschen Stelle an, solange das Gerüst darunter weiter schrumpft.
Welche Rolle spielt die Bisshöhe bei der Gesichtsveränderung durch Zahnprothese?
Die Bisshöhe beschreibt den Abstand zwischen beiden Kiefern, wenn die Zähne aufeinandertreffen. Sie bestimmt die Länge des unteren Gesichtsdrittels. Bei einer neuen Versorgung legt der Behandler diesen Wert genau fest. Mit den Jahren geht er auf zwei Wegen verloren.
Zum einen schrumpft der Knochen unter der Prothesenbasis, die Prothese sinkt nach. Zum anderen nutzen sich die Kunststoffzähne beim Kauen ab. Beide Effekte addieren sich zu einer Bisssenkung. Der Biss schließt weiter als vorgesehen, die Lippen rollen sich ein, das Kinn wandert nach vorn. In diesem Stadium schildern Betroffene selten nur Veränderungen der Optik. Hinzu kommen Druckstellen, ein verändertes Sprechen und manchmal sogar Nervenschmerzen durch die Zahnprothese.
Wie Zahnersatz Lippen, Wangen und Gesichtsprofil formt
Wie stark Prothesen ein Gesicht verändern, hängt nicht allein vom Knochen ab. Zähne tragen das Gesicht nicht nur von unten, sondern auch von vorne. Die Position der oberen Frontzähne entscheidet mit, wie voll die Oberlippe wirkt. Stehen die Prothesenzähne nur wenige Millimeter zu weit innen, fällt die Oberlippe zurück und wirkt schmaler. Stehen sie zu weit vorne, spannt sie künstlich. Gute Prothetik ist deshalb immer auch Gesichtsarbeit. An dieser Stelle zeigt sich, ob eine Gesichtsveränderung durch Zahnprothese auffällt oder kaum ins Gewicht fällt.
Auffällig oft fragen Prothesenträger nach einem strahlend weißen Lächeln. Verständlich. Für die Ästhetik zählt die Farbe aber weniger als Form, Länge und Stellung der Zähne. Mit dem Alter zeigen die oberen Schneidezähne bei entspannten Lippen immer weniger Zahnfläche, das gilt auch für eigene Zähne. Eine Zahnreihe, die diese Entwicklung berücksichtigt, wirkt natürlich. Zu helle, zu gleichmäßige Prothesenzähne verraten den Ersatz dagegen auf den ersten Blick. Die Zahnfarbe kann durchaus zu einem stimmigen Bild beitragen, wenn sie zum Alter und zur Haut passt.
Die Wangen spielen eine eigene Rolle. Im Seitenzahnbereich stützt die Prothese die Wangenschleimhaut von innen. Fehlt dort Volumen, sinkt die Wange ein, und das Gesicht wirkt hagerer. Wer eine Versorgung ästhetisch beurteilen möchte, sollte deshalb nicht nur auf die Zähne achten, sondern auf das Zusammenspiel von Zähnen, Lippen und Gesichtsprofil im Ruhezustand und beim Sprechen. Eine straff gestützte Oberlippe und eine passende Bisshöhe prägen die äußere Erscheinung stärker als jede Zahnfarbe.
Fehler, die den Abbau beschleunigen
Eine Prothese altert anders als ihr Träger. Der Kunststoff bleibt formstabil, während sich der Knochen darunter verändert. Nach einigen Jahren passt die Basis nicht mehr zur Unterlage. Sie beginnt zu kippen, drückt an einzelnen Stellen und verteilt die Kaukraft ungleich. Genau diese Druckspitzen treiben den Knochenabbau und damit die Gesichtsveränderung durch Zahnprothese weiter voran.
Der folgenreichste Fehler liegt im Abwarten. Kaum ein Satz fällt in der prothetischen Sprechstunde so regelmäßig wie „Die Prothese ist doch noch gut“, auch bei Modellen, die zehn Jahre und älter sind. Wer die Symptome von schlecht sitzendem Zahnersatz kennt, erkennt den Handlungsbedarf früher: wiederkehrende Druckstellen, Essensreste unter der Basis, ein Klappern beim Sprechen.
Ein zweiter Fehler betrifft die Unterfütterung. Der Zahntechniker ergänzt die Prothesenbasis um eine neue Kunststoffschicht und passt sie dem geschrumpften Knochen an. Lassen Sie Ihre Prothese mindestens einmal im Jahr kontrollieren. So fallen Passungsprobleme rechtzeitig auf. Haftcreme als Dauerlösung verdeckt diese Probleme dagegen nur. Sie fixiert einen Ersatz, der eigentlich angepasst werden müsste.
Der dritte Fehler betrifft den Zeitpunkt. Er wiegt am schwersten.
Zwischen dem Verlust der letzten Zähne und der Entscheidung für eine dauerhafte Versorgung vergehen nicht selten Jahre. In dieser Phase verliert der Knochen am meisten Substanz. Verbreitet ist die Annahme, neue Prothesen könnten das Gesicht später wiederherstellen. Eine sorgfältig angefertigte Zahnprothese korrigiert die Bisshöhe und stützt die Lippen wieder besser. Den verlorenen Knochen bringt sie nicht zurück.
Implantate als Alternative: Belastung statt Abbau
Ein Zahnimplantat ist eine künstliche Zahnwurzel, meist aus Titan, seltener aus Zirkonoxid, einer zahnfarbenen Hochleistungskeramik. Der Chirurg setzt es in den Knochen, wo es in den folgenden Monaten fest einwächst. Fachleute nennen diesen Vorgang Osseointegration. Danach überträgt die künstliche Wurzel die Kaukraft in die Tiefe, ähnlich wie ein eigener Zahn.
Genau darin liegt der Unterschied zur klassischen Prothese. Der Knochen rund um die Pfeiler erhält wieder einen funktionellen Reiz und bleibt in seiner Form weitgehend erhalten. Einer Gesichtsveränderung durch Zahnprothese wirkt das an der Wurzel entgegen. Gleichzeitig sitzt der Ersatz stabil. Er kippelt nicht, drückt nicht punktuell und braucht keine Haftcreme. Wie viele künstliche Zahnwurzeln aus Titan sinnvoll sind und wo sie stehen, hängt vom Knochenangebot und von der gewünschten Versorgung ab.
Eine Einschränkung gehört zur ehrlichen Einordnung. Die Pfeiler bremsen den Abbau nur dort, wo sie stehen. Bei zwei Pfeilern im unteren Bogen bleibt in deren Bereich mehr Knochen erhalten, zwischen und hinter ihnen läuft der Umbau langsam weiter. Bereits verlorenes Volumen stellen sie allein nicht wieder her.
Wie viele Implantate braucht ein zahnloser Kiefer?
Für den zahnlosen Unterkiefer gilt eine klare Untergrenze. Die McGill-Konsenskonferenz in Montreal erklärte 2002 die Deckprothese auf zwei Implantaten zum Mindeststandard. Die Prothese rastet über Druckknopfanker oder einen Steg auf den Pfeilern ein. Die britische Fachgesellschaft für Prothetik bestätigte diese Empfehlung 2009 im sogenannten York-Konsens als erste Wahl. Beide Erklärungen stützen sich vor allem auf den Gewinn an Lebensqualität, den Betroffene im Alltag beschreiben.
Oben liegen die Dinge anders. Der Knochen ist dort weniger dicht, und hinzu kommt der Wunsch, die störende Gaumenplatte wegzulassen. Die deutsche S3-Leitlinie zur implantatprothetischen Versorgung des zahnlosen Oberkiefers mit der AWMF-Registernummer 083-010 empfiehlt für herausnehmbaren Ersatz vier Pfeiler und für festsitzende Brücken sechs. Mit der Aktualisierung von 2021 kam die festsitzende Versorgung auf vier Pfeilern als weitere Option hinzu.
Welche Anzahl im Einzelfall passt, entscheidet am Ende das Knochenangebot. Die Unterschiede zwischen vier und sechs Pfeilern betreffen vor allem die Lastverteilung, die Reserve bei einem Pfeilerverlust und den Bedarf an Knochenaufbau.
Festsitzend oder herausnehmbar: Was stützt das Gesicht besser?
Die Antwort überrascht. Für die Gesichtsform ist eine festsitzende Brücke nicht automatisch die bessere Wahl. Eine herausnehmbare Deckprothese besitzt einen Kunststoffrand, den der Zahntechniker zu Lippen und Wangen hin ausformen kann. Bei stark geschwundenem Knochen ersetzt dieser Rand fehlendes Volumen und stützt die Oberlippe von innen.
Eine festsitzende Brücke fühlt sich dagegen an wie eigene Zähne. Sie muss jedoch so gestaltet sein, dass sich Speisereste darunter entfernen lassen. Ein großer Lippenschild steht dem im Weg. Ist viel Knochen verloren, ergänzen Zahntechniker deshalb rosafarbenen Zahnfleischersatz an der Brücke, oder der Chirurg plant vorab einen Knochenaufbau. Diese Abwägung gehört in jedes Planungsgespräch.
| Merkmal | Konventionelle Vollprothese | Deckprothese auf Pfeilern | Festsitzende Brücke auf Pfeilern |
|---|---|---|---|
| Halt | Saugwirkung, teils ergänzt durch Haftcreme | Druckknopfanker oder Steg | Verschraubt oder zementiert |
| Reiz für den Knochen | Flächiger Druck von oben | Funktioneller Reiz im Bereich der Pfeiler | Funktioneller Reiz im Bereich der Pfeiler |
| Stütze für Lippen und Wangen | Über den Prothesenrand, lässt mit dem Knochenschwund nach | Über den Prothesenrand, gut anpassbar | Über Zahnform und gegebenenfalls Zahnfleischersatz |
| Reinigung | Herausnehmbar | Herausnehmbar | Im Mund mit Zwischenraumbürsten |
Wenn der Knochen bereits geschwunden ist
Nach Jahren mit totaler Prothese reicht der vorhandene Knochen nicht immer für Pfeiler aus. Ob das zutrifft, zeigt eine dreidimensionale Röntgenaufnahme, die digitale Volumentomographie. Sie misst Höhe, Breite und Dichte des Knochens millimetergenau und stellt den Verlauf von Nerven und Kieferhöhle dar.
Fehlt Substanz, kommt ein Knochenaufbau infrage. Der Chirurg ergänzt den Kieferkamm mit Eigenknochen oder mit Knochenersatzmaterial. Im Seitenzahnbereich des oberen Kiefers hebt er beim sogenannten Sinuslift den Boden der Kieferhöhle an und schafft so Platz. Das Material heilt mehrere Monate ein, bevor die Pfeiler folgen. Die Verfahren für den Knochenaufbau im Ober- und Unterkiefer unterscheiden sich in Dauer und Aufwand.
Nicht jeder Fall erfordert diesen Schritt. Bei der Versorgung auf vier Pfeilern setzt der Chirurg die hinteren schräg und nutzt so den Knochen im vorderen Bereich, der meist länger erhalten bleibt. Eine fortgeschrittene Zahnfleischerkrankung schließt eine Versorgung nicht grundsätzlich aus, wie die Erfahrungen mit Implantaten bei starker Parodontose zeigen. Kurze und durchmesserreduzierte Pfeiler wären ein eigenes Thema.
Von der Analyse bis zum festen Sitz: So läuft die Behandlung ab
Am Anfang steht keine Bohrung, sondern eine gründliche Bestandsaufnahme. Dazu gehören die dreidimensionale Röntgenaufnahme, Fotos des Gesichts in Ruhe und beim Sprechen sowie eine Prüfung der Bisshöhe. Erst wenn diese Daten vorliegen, beginnt die Planung. Software berechnet die Position jedes Pfeilers so, dass er im besten vorhandenen Knochen steht und später unter dem richtigen Zahn sitzt.
Was Betroffene unterschätzen: Die Prothetik bestimmt die Chirurgie, nicht umgekehrt. Zuerst legt das Team fest, wo die Zähne stehen müssen, damit Lippe und Wange wieder Halt finden. Nur so lässt sich eine Gesichtsveränderung durch Zahnprothese gezielt ausgleichen. Daraus ergibt sich, wo die Pfeiler hingehören. Kein Patient gleicht dem anderen. Jeder Plan ist individuell auf Gesicht, Knochen und Wünsche abgestimmt. Fälle mit stark geschwundenem Knochenlager sind chirurgisch anspruchsvoll und brauchen mehr Vorlauf.
Sind die Pfeiler eingesetzt, folgt die Einheilphase. Bei ausreichender Primärstabilität, also festem Halt direkt nach dem Eindrehen, tragen manche Konzepte schon in den ersten Tagen eine provisorische Brücke. In anderen Fällen überbrückt eine angepasste Übergangsprothese die Zeit. Die endgültige Versorgung entsteht nach der Einheilung. Wie lange dieser Weg dauert, hängt von Knochenqualität, Allgemeingesundheit und gewählter Lösung ab.
Danach beginnt die eigentliche Arbeit. Die tägliche Pflege mit Zwischenraumbürsten und regelmäßige Kontrollen schützen das Gewebe rund um die Pfeiler vor Entzündungen. Wer früher an Parodontitis litt, braucht hier besondere Sorgfalt, weil sich die Erkrankung auch an künstlichen Wurzeln wiederholen kann.
Warum der Zeitpunkt der Entscheidung zählt
Die gute Nachricht zuerst. Totale Zahnlosigkeit wird seltener. Laut der Sechsten Deutschen Mundgesundheitsstudie des Instituts der Deutschen Zahnärzte waren 2023 nur noch fünf Prozent der 65- bis 74-Jährigen zahnlos. Bei der Erhebung von 2014 lag der Anteil noch bei 12,4 Prozent. Knapp 30 Prozent dieser Altersgruppe tragen trotzdem herausnehmbaren Ersatz. Karies und Zahnfleischentzündungen bleiben die wichtigsten Ursachen für Zahnverlust.
Stellen Sie sich zwei Menschen vor, die mit Anfang sechzig ihre letzten unteren Zähne verlieren. Die erste Person entscheidet sich innerhalb des ersten Jahres für zwei Pfeiler mit einer Deckprothese. Die zweite trägt fünfzehn Jahre lang eine konventionelle Totalprothese und denkt erst dann über Alternativen nach, weil der Ersatz kaum noch hält. Bei ihr ist der Knochen in dieser Zeit deutlich weiter geschrumpft, ein Knochenaufbau wird wahrscheinlicher, und die Gesichtsveränderung durch Zahnprothese hat sich längst ausgeprägt.
Die Lehre daraus ist schlicht. Je kürzer die Phase ohne funktionellen Reiz, desto mehr Knochen bleibt erhalten. Wer gerade zwischen den verschiedenen Arten von Zahnprothesen abwägt, sollte die Frage nach Pfeilern deshalb früh stellen, auch wenn die Umsetzung später erfolgt. Nicht jeder Mensch ist für eine sofortige Operation geeignet. Allgemeinmedizinische Faktoren wie ein schlecht eingestellter Diabetes oder starkes Rauchen erhöhen das Risiko für Komplikationen und gehören von Anfang an auf den Tisch.
Kernfakten im Überblick
| Aspekt | Wesentliches |
|---|---|
| Ursache | Ohne Zahnwurzeln fehlt dem Knochen der funktionelle Reiz. Eine aufliegende Prothese ersetzt ihn nicht. |
| Tempo des Abbaus | Bis zu 50 Prozent der Kieferkammbreite gehen im ersten Jahr nach der Zahnentfernung verloren, zwei Drittel davon in drei Monaten. |
| Sichtbare Folgen | Eine Gesichtsveränderung durch Zahnprothese zeigt sich durch eingefallene Oberlippe, tiefere Falten, hängende Mundwinkel und ein verkürztes unteres Gesichtsdrittel durch Bisssenkung. |
| Bestehende Prothese | Jährliche Kontrolle und rechtzeitige Unterfütterung verringern Druckstellen und bremsen die Bisssenkung. |
| Künstliche Wurzeln | Sie geben dem Knochen seinen Reiz zurück. Unten gelten zwei Pfeiler als Mindeststandard, oben vier für herausnehmbaren Ersatz. |
Fazit
Eine Gesichtsveränderung durch Zahnprothese ist kein kosmetisches Randproblem, sondern das sichtbare Ergebnis eines Knochenabbaus, der mit dem Verlust der Zähne beginnt und unter einer aufliegenden Prothese weiterläuft. Am schnellsten schwindet der Knochen im ersten Jahr. Danach geht der Verlust langsamer, aber stetig weiter, unten stärker als oben.
Wer bereits eine Prothese trägt, bremst den Verlauf durch regelmäßige Kontrollen und eine rechtzeitige Unterfütterung. Aufhalten lässt er sich so nicht. Pfeiler im Knochen setzen genau dort an, wo die Prothese versagt: Sie geben dem Knochen seinen Reiz zurück und verbessern die Stabilität beim Essen und Sprechen. Je früher diese Entscheidung fällt, desto weniger Knochen muss später aufgebaut werden und desto besser bleibt die Gesichtsform erhalten. Ein ausführliches Planungsgespräch mit dreidimensionaler Diagnostik klärt, welche Versorgung zum vorhandenen Knochen passt.
Häufig gestellte Fragen zum Thema „Gesichtsveränderung durch Zahnprothese“
Verändert auch eine Teilprothese das Gesicht?
Eine Teilprothese verändert das Gesicht in geringerem Maß als eine totale Prothese. Sie füllt einzelne fehlende Zähne und hält über Klammern, Geschiebe oder Teleskopkronen an den verbliebenen eigenen Zähnen. Wo noch Zähne stehen, bleibt auch der Knochen erhalten. Der Abbau beschränkt sich auf die Lücken. Deutlich wird er vor allem dann, wenn mehrere Backenzähne fehlen, denn diese Zähne stützen die Bisshöhe. Fehlt diese Stütze, sinkt der Biss allmählich ab.
Belasten Klammern die Pfeilerzähne über Jahre ungünstig, lockern sie sich und gehen im ungünstigen Fall ebenfalls verloren. Eine Teilprothese verdient deshalb dieselbe regelmäßige Kontrolle wie eine totale Prothese.
Hilft es, die Prothese nachts zu tragen, damit das Gesicht nicht einfällt?
Das nächtliche Tragen hält den Knochenabbau nicht auf. Der Knochen schwindet, weil ihm der Reiz durch Zahnwurzeln fehlt, und nicht wegen der Stunden, in denen die Prothese im Wasserglas liegt. Das eingefallene Aussehen am Morgen ohne Prothese zeigt lediglich, wie viel Stütze die Prothese tagsüber leistet.
Zahnärzte empfehlen meist sogar, die Prothese über Nacht herauszunehmen. Die Schleimhaut darunter braucht diese Erholungsphase. Ständiges Tragen begünstigt Entzündungen und Pilzbefall unter der Prothesenbasis. Ob im Einzelfall eine andere Regel sinnvoll ist, etwa direkt nach einer Zahnentfernung, legt die behandelnde Praxis fest.
Kann ein einzelnes Implantat den Knochen im ganzen Kiefer schützen?
Ein einzelner Pfeiler schützt den Knochen nur in seiner unmittelbaren Umgebung. Die Kaukraft gelangt über den Pfeiler in den angrenzenden Knochen und erhält dort Höhe und Breite. Wenige Zentimeter weiter fehlt dieser Reiz bereits. Deshalb reicht ein Pfeiler in einem sonst zahnlosen Kiefer weder für einen stabilen Prothesenhalt noch für einen flächigen Schutz des Knochens.
Unten gelten zwei Pfeiler als Untergrenze, oben vier für eine herausnehmbare Versorgung. Wer einzelne Zähne verliert, profitiert von einem Pfeiler genau an dieser Stelle, weil er die Lücke schließt und den Knochen im Bereich der Lücke erhält.
Lässt sich ein bereits eingefallenes Gesicht wieder aufrichten?
Teilweise ja. Neuer Zahnersatz stellt die verlorene Bisshöhe wieder her und stützt die Lippen von innen. Das allein verändert das untere Gesichtsdrittel spürbar. Wo zusätzlich Knochenvolumen fehlt, ergänzt ein Knochenaufbau das Gerüst vor dem Setzen der Pfeiler. Wie weit sich eine bestehende Gesichtsveränderung durch Zahnprothese zurückbilden lässt, hängt vom verbliebenen Knochen ab.
Grenzen setzen die Haut und das Fettgewebe des Gesichts, die mit dem Alter unabhängig von den Zähnen an Spannkraft verlieren. Realistische Erwartungen entstehen im Planungsgespräch. Hilfreich ist eine Wachsaufstellung, also ein Probemodell der neuen Zähne, das Sie vor der endgültigen Fertigung im Mund tragen. So sehen Sie die künftige Lippenstütze und ihre Wirkung, bevor der endgültige Ersatz entsteht.
Ab welchem Alter sind Zahnimplantate nicht mehr möglich?
Eine feste Altersgrenze nach oben existiert nicht. Ausschlaggebend sind die allgemeine Gesundheit, die Heilungsfähigkeit des Knochens und die Möglichkeit, die Pfeiler dauerhaft sauber zu halten. Medikamente, die den Knochenstoffwechsel beeinflussen, etwa Bisphosphonate gegen Osteoporose, gehören vor jedem Eingriff auf den Tisch.
Gerade ältere Menschen mit einer wackelnden unteren Totalprothese gewinnen durch zwei Pfeiler spürbar an Sicherheit, weil sie wieder sicher kauen und sprechen. Bei eingeschränkter Feinmotorik spricht einiges für eine herausnehmbare Lösung mit Druckknopfankern, da sie sich leichter reinigen lässt als eine festsitzende Brücke mit schwer erreichbaren Zwischenräumen. Die Verwendung einer elektrischen Zahnbürste erleichtert die Reinigung zusätzlich.
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