Abgestorbener Zahn: Symptome, Ursachen und Behandlung

Natürliche Zahnaufnahme ohne Instrumente

Ein abgestorbener Zahn hat sein Zahnmark verloren, also das Gewebe aus Nerven und Blutgefäßen im Inneren. Er schmerzt oft nicht mehr, bleibt aber ein Infektionsherd. Mit einer Behandlung der Wurzelkanäle lässt er sich in vielen Fällen erhalten.

Was ein abgestorbener Zahn medizinisch bedeutet

Jede Zahnkrone umschließt einen kleinen Hohlraum. Darin liegt die Pulpa, ein weiches Bindegewebe, über das der Zahn von innen heraus versorgt wird. Sie ernährt das Dentin, also das Zahnbein unter der Schmelzschicht, und meldet Reize wie Kälte oder Druck an das Gehirn. Stirbt dieses Nervengewebe, sprechen Fachleute von einer Pulpanekrose. Die deutsche Diagnoseliste ICD-10-GM führt sie unter dem Schlüssel K04.1 und schließt dort die Pulpagangrän ein, also das faulig zerfallende Pulpagewebe.

Von außen bleibt zunächst alles unverändert. Die Krone steht fest im Kiefer und lässt sich normal belasten. Was fehlt, ist die Durchblutung. Ohne Blut erreichen keine Abwehrzellen mehr den Wurzelkanal, und Bakterien besiedeln das zerfallende Material ungestört.

Ein abgestorbener Zahn ist deshalb kein Endzustand, sondern ein Prozess mit offenem Ausgang. Manchmal über Jahre. Wie schnell er fortschreitet, hängt von der Ursache, vom Keimbefall und von der Abwehrlage ab. In Befundberichten taucht er auch als devitaler Zahn auf, im Gegensatz zum vitalen, durchbluteten Gegenstück.

Toter, abgestorbener oder wurzelbehandelter Zahn: wo der Unterschied liegt

Im Alltag fallen die Begriffe durcheinander. Fachlich lohnt die Trennung, weil jeder Zustand eine andere Prognose hat.

Abgestorben und tot meinen dasselbe: Die Pulpa ist nekrotisch, der Hohlraum aber noch nicht gereinigt. Solange das zerfallende Gewebe im Kanal liegt, bleibt der tote Zahn eine mögliche Quelle für Entzündungen. Wer erlebt hat, wie der Nerv langsam abstirbt, kennt meist den typischen Wechsel aus heftigem Schmerz und plötzlicher Ruhe.

Wurzelbehandelt heißt dagegen: Der Kanal wurde gereinigt, desinfiziert und dicht gefüllt. Der Hohlraum ist versiegelt. Keime finden dort weder Nahrung noch Platz.

Ist ein abgestorbener Zahn dasselbe wie ein wurzelgefüllter?

Nein. Beide besitzen kein lebendes Pulpagewebe mehr, doch nur einer ist saniert. Der unversorgte Befund trägt eine Infektionsquelle in sich. Der versorgte ist bei dichter Füllung biologisch ruhig und kann viele Jahre im Mund bleiben.

Auffällig oft fragen Patienten in der Zahnarztpraxis, ob sie nach der Therapie nun einen „toten“ Zahn im Mund tragen, der früher oder später raus müsse. Diese Sorge beruht auf der Verwechslung beider Zustände. Ein sauber gefüllter Wurzelkanal ist kein Problemfall, sondern das Ziel der Therapie.

Symptome: woran sich ein abgestorbener Zahn zeigt

Das Beschwerdebild wechselt im Verlauf. Am Anfang steht meist eine akute Pulpitis, eine Entzündung des Nervengewebes mit pochendem, nächtlichem Schmerz. Kälte löst ihn aus, Wärme verstärkt ihn. Wer solche starke Schmerzen erlebt hat, vergisst sie nicht. Dann wird es still.

Die zweite Phase verläuft ohne jede Beschwerde. Der betroffene Zahn reagiert nicht mehr auf Kälte oder Süßes. Erst wenn Keime durch das Wurzelende in den Knochen austreten, melden sich neue Zeichen. Sie fühlen sich anders an als der Schmerz zu Beginn, weil sie nicht mehr aus dem Inneren der Krone kommen, sondern aus dem Knochen und der Wurzelhaut. Typisch für diese dritte Phase sind:

  • Schmerzen beim Kauen oder beim leichten Klopfen auf die Kaufläche
  • ein Gefühl, als stehe die Krone zu hoch und treffe beim Schließen zuerst
  • ein dumpfer, schlecht lokalisierbarer Dauerdruck
  • eine Schwellung oder ein kleines Eiterbläschen über der Wurzel
  • eine graue bis bräunliche Verfärbung der Krone
  • ein fauliger Geschmack im betroffenen Bereich

Nicht jedes Zeichen tritt bei jedem Menschen auf. Manche bemerken nur die Farbe im Spiegel, andere nur einen leichten Druck beim Zubeißen. Ein abgestorbener Zahn kann also sehr wohl Schmerzen verursachen, nur entstehen sie dann außerhalb der Krone. Warum das Draufbeißen trotz fehlender Nervenfasern schmerzt, erklärt sich aus der Entzündung im Knochen und nicht aus dem Hohlraum selbst.

Weitere Symptome entwickeln sich, wenn das umliegende Gewebe sich zu entzünden beginnt. Fieber, eine dicke Wange oder Mühe beim Schlucken zeigen, dass sich eine Infektion ausbreitet. Diese Lage verträgt keine Wartezeit und gehört noch am selben Tag in fachliche Hände.

Warum hört der Schmerz plötzlich auf?

Weil der Melder ausgefallen ist. Schmerz entsteht in den Nervenfasern im Zahninneren. Ist der Zahn abgestorben, fehlt die Rückmeldung, obwohl der Zerfall im Inneren weiterläuft.

In der Praxis ist diese Phase der häufigste Grund für spät entdeckte Befunde. Betroffene deuten die Ruhe als Heilung und sagen den Termin ab. Wochen oder Monate später kommen sie mit einem entzündeten toten Zahn zurück. Das fehlende Symptom ist hier das eigentliche Warnzeichen.

Warum wird ein abgestorbener Zahn grau oder dunkel?

Beim Zerfall des Pulpagewebes lösen sich Blutbestandteile auf. Ihre Eisenverbindungen wandern in die feinen Kanälchen des Zahnbeins und lagern sich dort ein. Wirkt ein Zahn von innen heraus dunkel verfärbt, steckt fast immer dieser Prozess dahinter. Die Farbe reicht von einem rosa Schimmer über Grau bis Braun. Bleibt der Befund lange unbehandelt, kann die Krone grau oder sogar schwarz erscheinen.

Der Satz „Mein Zahn wird schwarz“ fällt in der Sprechstunde regelmäßig, meist bei einem oberen Schneidezahn. Nicht jede Dunkelfärbung hat allerdings diese Ursache. Alte Amalgamfüllungen oder Metallstifte können eine Krone ebenfalls verfärben. Ob sich ein Frontzahn grau von innen verfärbt oder nur Material durchschimmert, klärt die Untersuchung. Lassen Sie einen nachdunkelnden Frontzahn deshalb zahnärztlich abklären, auch wenn er keine Beschwerden macht.

Ursachen: warum das Zahnmark abstirbt

Das Nervengewebe ist empfindlich, weil es in einem starren Raum eingeschlossen ist. Schwillt es bei einer Entzündung an, kann es nicht ausweichen. Der Druck steigt, die feinen Gefäße am Wurzelende werden abgedrückt, und die Versorgung bricht zusammen. Fünf Auslöser stehen in der zahnärztlichen Praxis im Vordergrund. Sie treten einzeln auf, verstärken sich aber gegenseitig, wenn mehrere zusammenkommen:

  1. Tiefe Karies, die Schmelz und Zahnbein durchdringt und Keime bis ins Nervengewebe bringt. Besonders tückisch ist Kariesbefall unter alten Füllungen, der als Sekundärkaries lange unbemerkt bleibt.
  2. Unfälle wie ein Sturz oder Schlag, bei denen Gefäße am Ende der Zahnwurzel reißen.
  3. Wiederholte Eingriffe an derselben Stelle, etwa mehrere tiefe Füllungen oder das Beschleifen für eine Krone.
  4. Feine Risse, durch die Keime ins Innere wandern.
  5. Tiefe Zahnfleischtaschen, über die Erreger von der Wurzelseite her eindringen.

Die Reihenfolge entspricht grob der Häufigkeit im Praxisalltag. Karies bleibt der Hauptweg. Unfälle betreffen vor allem die oberen Schneidezähne. Wiederholte Behandlungen und Risse wirken eher schleichend, über Jahre. Für die Therapie spielt die Ursache eine praktische Rolle: Ein durch Risse geschwächter Backenzahn hat eine schlechtere Prognose als ein Frontzahn, der nach einem Sturz abgestorben ist, aber sonst intakt blieb.

Kann ein Frontzahn ohne Karies absterben?

Ja. Nach einer Zahnprellung sieht die Krone oft völlig unversehrt aus. Trotzdem kann die Blutversorgung am Wurzelende unterbrochen sein. Der Zahn stirbt ab, langsam und unbemerkt. Die graue Farbe zeigt sich manchmal erst Monate nach dem Ereignis, wenn der Unfall längst vergessen ist.

Ähnlich verhält es sich bei Rissen in den Zähnen. Sie entstehen durch Pressen, Knirschen oder große Füllungen, die wie ein Keil wirken. Von außen sind sie kaum zu sehen.

Diagnose: wie der Zahnarzt einen toten Zahn sicher erkennt

Hier liegt ein Kernproblem, das selten offen angesprochen wird. Die gängigen Tests prüfen nicht, ob die Pulpa lebt. Sie prüfen, ob ihr Nerv antwortet. Fachlich heißt das Sensibilitätstest, nicht Vitalitätstest. Der Unterschied klingt akademisch, hat aber Folgen für die Deutung.

Stellen Sie sich einen Schneidezahn nach einem Sturz vor. Die Nervenfasern sind betäubt, die Gefäße aber intakt. Der Kältetest fällt negativ aus, obwohl die Durchblutung funktioniert. Umgekehrt kann ein mehrwurzeliger Backenzahn auf Kälte reagieren, weil ein Kanal noch Nervenfasern enthält, während der Nachbarkanal bereits zerfällt.

Deshalb verlässt sich ein sorgfältiger Behandler nie auf einen einzigen Befund. Die Europäische Gesellschaft für Endodontologie hat diesen Grundsatz 2023 in ihrer ersten S3-Leitlinie zur Behandlung von Erkrankungen der Pulpa und des Wurzelbereichs bekräftigt: Krankengeschichte, klinische Tests und Röntgenaufnahme gehören zusammen, bevor eine Therapie beginnt. Ob ein Zahn tot ist, zeigt erst das Gesamtbild.

Wie zuverlässig ist der Kältetest?

Erstaunlich zuverlässig, aber nicht unfehlbar. Eine Metaanalyse von Mainkar und Kim, 2018 im Journal of Endodontics erschienen, wertete fünf Testverfahren aus. Der Kältetest erreichte eine Sensitivität von rund 87 Prozent und eine Spezifität von rund 84 Prozent. Er erkennt also die meisten abgestorbenen Fälle, liegt aber bei etwa jedem siebten Befund daneben.

Genauer arbeiten Verfahren, die tatsächlich die Durchblutung messen. Die Pulsoximetrie, bekannt vom Fingerclip im Krankenhaus, erreichte in derselben Auswertung Werte um 97 und 95 Prozent. Die Laser-Doppler-Flussmessung schnitt ähnlich gut ab. Beide Methoden kommen bisher vor allem in spezialisierten Praxen und nach Unfällen zum Einsatz, wenn Nervenfasern vorübergehend schweigen.

Ergänzend prüft der Zahnarzt mit dem elektrischen Pulpatest, ob schwacher Strom eine Reaktion auslöst. Der Klopftest zeigt, ob der Knochen am Wurzelende beteiligt ist.

Was zeigt die Röntgenaufnahme und wann braucht es ein DVT?

Das Röntgenbild zeigt den Knochen am Wurzelende. Hat sich dort eine apikale Parodontitis festgesetzt, also eine Entzündung an der Wurzelspitze, baut der Körper Knochen ab. Auf der Aufnahme erscheint eine dunkle Zone. Fachleute nennen sie apikale Aufhellung.

Solche Befunde sind weit verbreitet. Eine Metaanalyse von Tibúrcio-Machado und Kollegen, 2021 im International Endodontic Journal veröffentlicht, ergab: Gut die Hälfte aller untersuchten Erwachsenen weltweit hatte mindestens einen Zahn mit apikaler Parodontitis. Bezogen auf alle Zähne waren es etwa fünf Prozent.

Ein frischer Entzündungsherd bleibt in der Aufnahme allerdings zunächst unsichtbar, weil der Knochenabbau Zeit braucht. Bei unklaren Fällen hilft die digitale Volumentomographie, kurz DVT. Sie liefert ein dreidimensionales Bild und erfasst Befunde, die im flachen Bild von anderen Strukturen überlagert werden. Routinemäßig ist sie wegen der höheren Strahlendosis nicht angezeigt.

Behandlungsmöglichkeiten: erhalten oder entfernen

Der Standard heißt Erhalt. Das klingt einfacher, als es im Einzelfall ist. Ob eine Behandlung notwendig ist, steht bei einem abgestorbenen Zahn außer Frage. Offen ist nur, welche. Ob Behandlung oder Entfernung sinnvoller ist, hängt von Wurzel, Knochen und verbliebener Zahnsubstanz ab. Wird ein toter Zahn nicht sofort versorgt, verliert er mit jedem Monat Knochenhalt, und die Auswahl wird kleiner.

Wie läuft die Behandlung eines toten Zahns ab?

Bei der Wurzelkanalbehandlung öffnet der Zahnarzt den Zahn von der Kaufläche oder der Rückseite. Er entfernt das zerfallene Material, erweitert die Kanäle mit feinen Feilen und spült sie mit desinfizierenden Lösungen wie Natriumhypochlorit. Ein Kofferdam, ein dünnes Gummituch um die Krone, hält Speichel und neue Keime fern.

Zwischen zwei Sitzungen bleibt meist eine Einlage aus Calciumhydroxid im Kanal. Zum Abschluss füllt der Behandler das Kanalsystem dicht bis zum Wurzelende. Eine Betäubung braucht es bei einem toten Nerv streng genommen nicht. Viele Praxen betäuben trotzdem, weil die Wurzelhaut und das angrenzende Zahnfleisch empfindlich bleiben.

Der Knochendefekt baut sich danach über Monate wieder auf. Die Europäische Gesellschaft für Endodontologie empfiehlt eine Kontrollaufnahme nach einem Jahr. Ist die Heilung dann noch unvollständig, beobachtet der Behandler weiter, bei großen Befunden bis zu vier Jahre.

Wann ist der Zahn nicht mehr zu retten?

Gegen den Erhalt sprechen ein Längsriss bis in die Wurzel, eine Krone, die unterhalb des Zahnfleischrands zerstört ist, oder ein Knochenverlust, der keinen Halt mehr bietet. Eine schwere Parodontitis an derselben Stelle verschlechtert die Aussichten deutlich.

Bleibt die Entzündung trotz sauberer Füllung bestehen, existiert ein Zwischenweg: die Wurzelspitzenresektion. Der Chirurg kürzt das Wurzelende über einen kleinen Zugang und verschließt den Kanal von unten. So wird mancher Zahn gerettet, der zunächst verloren schien. Erst wenn auch das ausscheidet, folgt die Extraktion.

Ist der Zahn gezogen, schließt ein Implantat oder eine Brücke die Lücke. Wird ein Zahn entfernt, ohne dass ein Plan für die Lücke steht, wandern die Nachbarn, und der Knochen bildet sich zurück. Den späteren Zahnersatz planen umsichtige Behandler deshalb schon vor dem Eingriff.

Verbreitet ist die Annahme, ein Implantat sei grundsätzlich die haltbarere Lösung. Das trifft so pauschal nicht zu. Wer den eigenen Zahn erhalten kann, behält die Wurzelhaut, die Kaudruck federt und spürt. Eine künstliche Wurzel sitzt starr im Knochen. Beide Wege haben ihre Berechtigung, und die Abwägung gehört in ein ausführliches Gespräch.

Leichengift: was hinter dem Begriff steckt

Kaum ein Wort verunsichert Patienten so stark. Wer im Internet nach Leichengift Symptome sucht, stößt auf Listen von Müdigkeit bis Herzbeschwerden. Die Chemie dahinter ist nüchterner.

Beim Abbau von Eiweiß entstehen biogene Amine wie Cadaverin und Putrescin. Ihre Namen erinnern an Verwesung und haben dem Mythos seinen Namen gegeben. Dieselben Stoffe kommen in gereiftem Käse, Fisch oder Sauerkraut vor, teils in deutlich höherer Menge als in einem einzelnen Wurzelkanal.

Das eigentliche Risiko ist ein anderes: die chronische bakterielle Infektion. Von einem Entzündungsherd am Wurzelende gelangen Keime und Botenstoffe ins Blut. Gesundheitliche Folgen sind für Menschen mit künstlichen Herzklappen, schlecht eingestelltem Diabetes oder geschwächter Abwehr ernster zu nehmen als für Gesunde. Nicht die einzelne Bakterie ist das Problem, sondern die jahrelange Dauerbelastung. In wurzelgefüllten Zähnen mit anhaltender Entzündung weisen Labore auffallend häufig einen bestimmten Keim nach: Enterococcus faecalis, der selbst desinfizierende Einlagen gut übersteht.

Solange der tote Zahn keine Entzündungszeichen zeigt, gilt er dagegen nicht als Gefahr für den übrigen Körper. In der Praxis zeigt sich: Die Frage lautet nicht, ob ein Befund „tot“ ist, sondern ob er entzündet ist.

Nach der Behandlung: Stabilität, Farbe und Prognose

Mit der dichten Füllung ist der Infektionsherd beseitigt. Belastbar wie früher ist ein Backenzahn damit aber noch nicht.

Lange galt die Lehrmeinung, ein toter Zahn trockne aus und werde deshalb spröde. Neuere Untersuchungen relativieren das. Den größeren Anteil am Bruchrisiko hat der Verlust an Zahnsubstanz: Für den Zugang zu den Kanälen muss Material entfernt werden, und alte Füllungen haben oft schon Wände geschwächt. Ein Zahn verliert seine Stabilität also nicht durch das Absterben selbst, sondern durch das, was fehlt. Mahlzähne mit hoher Kaulast brechen deshalb leichter. Eine Zahnkrone oder eine Teilkrone fasst die geschwächten Höcker zusammen. Schneidezähne mit kleinem Zugang kommen häufig mit einer Füllung aus.

Lässt sich ein toter Zahn wieder aufhellen?

In vielen Fällen ja. Äußeres Aufhellen hilft wenig, weil die Pigmente im Zahnbein sitzen. Das interne Bleaching setzt genau dort an. Das Verfahren geht auf die amerikanischen Zahnärzte Nutting und Poe zurück, die es 1963 beschrieben. Das Bleichmittel wirkt einige Tage im verschlossenen Hohlraum und wird bei Bedarf erneuert. Bei Verfärbungen durch eingelagerte Blutbestandteile wird die Krone meist deutlich aufgehellt. Metallische Einlagerungen reagieren schlechter.

Wie lange halten behandelte Zähne?

Die Daten sind ermutigend. Eine systematische Übersicht von Ng, Mann und Gulabivala aus dem Jahr 2010 wertete 31 Studien aus. Zwischen zwei und zehn Jahren nach der Behandlung waren je nach Zeitraum 86 bis 93 Prozent der Zähne noch im Mund. Den stärksten Einfluss auf das Überleben hatte eine Überkronung nach der Therapie. Wird ein toter Zahn behandelt und anschließend überkront, stehen die Chancen also gut.

Weitere günstige Faktoren waren Nachbarzähne auf beiden Seiten und ein Pfeiler, der keine Brücke oder Prothese tragen muss. Mahlzähne schnitten etwas schlechter ab als die übrigen Zähne. Diese Zahlen beschreiben Durchschnittswerte. Der Zahn kann oft viele Jahre halten, wenn Wurzelfüllung und Krone dicht bleiben und die Pflege stimmt.

Typische Fehler nach dem Absterben des Zahnnervs

Um Komplikationen zu vermeiden, lohnt ein Blick auf vier Muster, die in der Sprechstunde immer wieder auftauchen. Das erste ist das Abwarten nach dem Ende des Schmerzes. Ist der Zahn bereits tot, ändert Warten nichts am Befund. Es vergrößert nur den Knochendefekt. Wer früh kommt, hat die besseren Chancen, den Zahn zu retten.

Das zweite Muster ist eine fehlende Überkronung bei Backenzähnen. Die geschwächte Krone bricht Monate später beim Biss auf ein Brotkorn, manchmal so tief, dass nichts mehr zu machen ist. Diese Komplikation lässt sich mit einer rechtzeitigen Überkronung meist vermeiden.

Das dritte Muster ist die gegenteilige Überreaktion. Aus Angst vor Fernwirkungen lassen manche gesunde, dicht gefüllte Zähne ziehen. Ein beschwerdefreier Befund ohne Entzündungszeichen in der Aufnahme gehört nach heutigem Fachstand nicht in die Zange.

Ein viertes Muster betrifft die Nachsorge. Wer nach der Wurzelbehandlung den Kontrolltermin beim Zahnarzt nach etwa einem Jahr auslässt, bemerkt eine ausbleibende Heilung erst, wenn wieder Probleme auftreten. Dann ist der Knochendefekt meist größer als nötig. Ein Termin genügt.

Kernfakten im Überblick

Aspekt Wesentliches
Definition Abgestorbenes Nervengewebe ohne Durchblutung, im ICD-10-GM als Pulpanekrose unter K04.1 erfasst
Verlauf Erst starker Schmerz, dann trügerische Ruhe, später Aufbissschmerz, Druck und graue Farbe
Diagnose Kältetest mit rund 87 Prozent Sensitivität, ergänzt durch Klopftest, Röntgenaufnahme und bei Bedarf DVT
Therapie Reinigung und Füllung der Wurzelkanäle als Standard, Resektion oder Entfernung nur bei schlechter Prognose
Prognose 86 bis 93 Prozent der behandelten Zähne bleiben über zwei bis zehn Jahre erhalten, eine Krone verbessert die Aussichten

Fazit

Mit der Pulpa büßt ein abgestorbener Zahn seine Abwehr ein, nicht aber seinen Nutzen. Solange Wurzel und Knochen tragfähig sind, lässt er sich in den meisten Fällen erhalten. Die größte Gefahr liegt im Schweigen. Sobald die Nervenfasern ausgefallen sind, fehlt das Warnsignal, und der Zerfall arbeitet unbemerkt weiter.

Symptome und Behandlung folgen hier einer eigenen Logik: Die stärksten Beschwerden kommen oft vor der gefährlichsten Phase. Zwei Punkte verdienen deshalb Ihre Aufmerksamkeit. Wenn ein stark schmerzender Backenzahn plötzlich Ruhe gibt und danach nicht mehr auf Kälte reagiert, sollten Sie das prüfen lassen. Und nach der Reinigung der Kanäle bestimmt die Versorgung der Krone die Haltbarkeit. Ein abgestorbener Zahn ohne Überkronung ist im Seitenbereich ein Bruchkandidat. Wer beides beachtet, hat gute Aussichten, die eigenen Zähne noch viele Jahre zu behalten.

Häufig gestellte Fragen zum Thema „Abgestorbener Zahn“

Kann ein abgestorbener Zahn wackeln?

Ja, das kommt vor. Ein abgestorbener Zahn wird nicht durch den fehlenden Nerv locker, sondern durch die Entzündung am Wurzelende. Breitet sie sich aus, baut der Körper Knochen um die Wurzel ab, und die Wurzelhaut schwillt an. Die Krone verliert dadurch einen Teil ihres Halts und lässt sich leicht bewegen, besonders deutlich bei einem akuten Abszess. Die Lockerung ist in diesem Fall kein endgültiges Urteil. Nach einer erfolgreichen Wurzelkanalbehandlung festigt sich die Verankerung in vielen Fällen wieder, sobald der Knochen nachwächst. Anders sieht es aus, wenn die Lockerung von einer fortgeschrittenen Parodontitis stammt. Dann fehlt der Halt dauerhaft, und die Prognose ist deutlich schlechter.

Was unterscheidet eine sterile Nekrose von einer Pulpagangrän?

Beide Begriffe beschreiben abgestorbenes Nervengewebe im Wurzelkanal, aber in unterschiedlichem Zustand. Bei der sterilen Nekrose stirbt das Pulpagewebe ab, ohne dass Keime beteiligt sind. Das passiert vor allem nach einem Unfall, wenn die Blutzufuhr am Wurzelende abreißt. Der Hohlraum bleibt dann eine Weile keimfrei. Bei der Pulpagangrän haben Bakterien das tote Material besiedelt und zersetzen es. Erst in dieser Phase entstehen fauliger Geruch und die typische Reaktion im Knochen. In der deutschen Diagnoseliste ICD-10-GM sind beide Formen unter K04.1 zusammengefasst. Für die Praxis bedeutet das: Auch eine zunächst sterile Nekrose wird früher oder später besiedelt, weil der Kanal ohne Abwehr bleibt.

Kann ein abgestorbener Zahn Mundgeruch auslösen?

Ja, wenn das Nervengewebe faulig zerfällt. Bakterien bauen beim Zersetzen Eiweiße ab und bilden flüchtige Schwefelverbindungen. Diese riechen unangenehm und gelangen über undichte Füllungen, Risse oder einen Fistelgang in die Mundhöhle. Typisch ist ein einseitiger, fauliger Geschmack, der nach dem Zähneputzen rasch zurückkehrt. Ein abgestorbener Zahn ist allerdings nur eine von vielen möglichen Quellen. Belag auf der Zunge, entzündetes Zahnfleischgewebe oder tiefe Zahnfleischtaschen sind deutlich häufiger. Welche Quelle tatsächlich vorliegt, zeigt erst die Untersuchung. Verschwindet der Geruch nach der Reinigung der Kanäle, lag die Ursache dort.

Kann ein wurzelgefüllter Pfeiler eine Brücke tragen?

Grundsätzlich ja, allerdings mit Einschränkungen. Ein Brückenpfeiler trägt nicht nur die eigene Kaulast, sondern auch die des fehlenden Nachbarn. Ein wurzelgefüllter Pfeiler ist durch den Substanzverlust ohnehin anfälliger für Brüche. Die Übersicht von Ng und Kollegen aus dem Jahr 2010 zeigte, dass Zähne ohne Pfeilerfunktion nach der Behandlung länger überlebten. Ob ein solcher Pfeiler eine Brücke tragen kann, hängt von der verbliebenen Hartsubstanz, der Wurzellänge und dem Knochenhalt ab. Bei stark geschwächten Kronen verankert der Behandler manchmal zusätzlich einen Stift im Kanal, der den Aufbau hält. Die Wurzel selbst stärkt ein solcher Stift nicht.

Warum schmerzt ein abgestorbener Zahn manchmal beim Fliegen oder Tauchen?

Fachleute sprechen von Barodontalgie, einem Zahnschmerz durch Luftdruckänderung. Gesunde Zähne sind davon praktisch nie betroffen. Liegt dagegen ein Entzündungsherd am Wurzelende vor oder hat sich unter einer undichten Füllung Gas gebildet, reagiert das Gewebe im Knochen auf den wechselnden Umgebungsdruck. Beim Steigflug und beim Auftauchen dehnen sich eingeschlossene Gase aus und drücken auf die gereizte Region. Der Schmerz kann ein Hinweis auf einen bisher unbemerkten Befund sein. Wer regelmäßig taucht oder beruflich fliegt, sollte einen auffälligen Backenzahn deshalb vorab untersuchen lassen. Nach einer zahnärztlichen Behandlung verschwinden die Beschwerden in solchen Fällen meist.

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